Interlude: Diane Charlemagne

Manche Künstler nehmen manchmal komische Wege. Und damit meine ich nicht ihre musikalischen Entwicklungen. Sondern ihren Weg in meinen Fokus – und wieder raus. Diane Charlemagne ist solch eine Sängerin. Mal war sie da, dann wieder weg – und auf einmal stand sie vor mir, ohne dass ich es wusste.

Frag‘ mich nicht warum, aber ich habe „The Key The Secret“ von Urban Cookie Collective gehasst. Dabei hatte ich zu der Zeit – 1993 – gar nichts gegen Techno-Musik aus England. Aber dieser Song ging mir auf den Geist. Und dann noch dieses Video, in dem mich die Sängerin so glücklich anschaut – das war mir echt zu viel. Mir gab das alles gar nichts. Außer Wegschalt-Reflexen, wenn der Song im Fernsehen kam.

Ungefähr zur selben Zeit entdeckte ich Eskimos & Egypt. Sie waren im Vorprogramm von The Shamen und machten mit ihrer Mischung aus Techno und Metal-Gitarren ganz ordentlich Lärm auf der Bühne. Ich kaufte ihre Maxis, weil auch ihre Remixe immer ganz cool waren. Und ihre Longsleeve-Shirts, wenn ich auf den Konzerten war. Irgendwann las ich mal das Kleingedruckte auf ihren Platten und stieß auf den Namen: Charlemagne. Und tatsächlich: Dieselbe Sängerin, deren Hit ich verabscheute, sang zeitgleich auf meinen aktuellen Lieblingsplatten mit. Aber Diane Charlemagne sollte mich erst ein Jahr später so richtig aus den Schuhen hauen.

„Come to me, in those open arms is where I wanna be…“ 21 Jahre ist es her, dass ich diese ersten Zeilen von Goldies “Inner City Life” zum ersten Mal gehört habe. Ich war seit einigen wenigen Wochen in London und hatte gerade erst das Gefühl, in der Stadt anzukommen. „Inner City Life“ war neu erschienen und auf einmal stand ich im Plattenladen zwischen all den Typen, die Drum’n’Bass schon ewig kannten. Für mich, der das Phänomen erst vor Kurzem wahrgenommen hatte, war das wie: Ich gehöre jetzt dazu. Und der Song ist ja nun wirklich großartig. Weswegen ich Dir das erzähle? Nun, diese tolle Stimme ist die von Diane Charlemagne. Erneut hat sie es geschafft, mich zu überraschen.

Keine Frage: In meiner Wahrnehmung war Diane Charlemagne von einer Nervensäge zu einer großartigen Sängerin geworden. Nur leider hörte ich danach kaum mehr etwas von ihr.

Bis zu einem Moby-Konzert 2000 in Köln. Ich war für das Intro ins Palladium gefahren, um das Electronic Beats Festival zu besuchen und für das Heft zu rezensieren. Moloko waren dort. Ex-Kraftwerk Karl Bartos. Und Moby. Gerade bei letzterem war ich skeptisch, schließlich hatten der New Yorker und ich eine bewegte Geschichte. Also zumindest aus meiner Sicht. Dass ich ihn mal nach einem Konzert auf seine – wie ich fand – schwierige Live-Show angesprochen habe, hatte er vermutlich vergessen. Ich nicht. Und so erwartete ich auch nichts, was mir gefallen würde. Zumal ich auch seine jüngsten Veröffentlichung eher langweilig fand. Wie dem auch sei: Moby kam mit Band und Sängerin. Im Laufe seines Sets stellte er alle Musiker auf der Bühne vor – und darunter war auch Diane Charlemagne. Ich hatte die Sängerin schlicht nicht erkannt. Und freute mich umso mehr, dass ich sie dann mal in echt erleben durfte.

Nach all den „gemeinsamen“ Erfahrungen fand ich das einen schönen Abschluss. Denn danach habe ich Diane Charlemage wieder aus den Augen verloren. Ich habe gerade gesehen, dass sie offenbar noch auf Platten singt, keine davon hat mich erreicht. Aber weiß – es kann ja gut sein, dass sie mich demnächst mal wieder überrascht. Wäre schließlich nicht das erste Mal…

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