Interlude: Martin Gore

Endlich komme ich mal dazu, mich zu der anstehenden Veröffentlichung von Martin Gore zu äußern. Seit ein paar Wochen ist ja bekannt, dass Ende April eine weitere Solo-Platte von ihm erscheint. Auch wenn ich mit den letzten Depeche-Mode-Sachen nicht mehr viel anfangen konnte, höre ich in diesem Fall doch noch mal genauer hin. Schließlich fand ich die bisherigen Solo-Aktivitäten des DM-Songschreibers jede auf ihre Art großartig. Und dann war da ja noch dieses Interview in Köln…

Im Vorfeld von „Counterfeit 2“, seiner zweiten Solo-LP, kam Gore 2003 auf Interview-Tour in die Domstadt. Ein paar Wochen zuvor schon hatte ich seinen Bandkollegen Andrew Fletcher getroffen, der von seinem eigenen Label erzählte. Gore wiederum hatte ein Album mit Coverversionen rausgebracht – sein zweites seit 1989. Gemeinsam mit meinem damaligen Chefredakteur Thomas machte ich mich an diesem Tag im Februar auf den Weg ins Hyatt Hotel. Ich fand es total nett, dass Thomas mich mitnahm. Wir waren beide DM-Fans, Thomas hatte die Band schon 2001 zum letzten Album „Exciter“ getroffen. Damals war ich noch neu in der Redaktion und konnte nicht mit, dieses Mal aber konnte ich mich erfolgreich aufdrängen.

Gore empfing uns in einer großen Suite und bot uns Plätze in einer ausladenden Sitzgruppe an. Thomas nahm an einem Ende Platz, ich am anderen – und Gore setzte sich zwischen uns. Er war ein sehr aufgeschlossener, netter und witziger Gesprächspartner. Selbst bei Fragen, mit denen er nicht gleich klarkam, versuchte er noch eine freundliche Antwort zu geben. Er erzählte von musikalischen Vorbildern, dem Hello-Kitty-Cassettenrecorder seiner (damals noch kleinen) Tochter und dass auch er sich mittlerweile schwer tue, sich Songtexte zu merken. Die Zeit verging wie im Fluge. Am Ende des Gesprächs drückte Thomas ihm noch ein paar Platten seines Labels Onitor in die Hand und dann mussten wir auch schon raus auf den Flur. Auf dem Weg raus begegneten wir dem nächsten Journalisten, der zu Gore in die Suite durfte.

Thomas und ich waren beide etwas euphorisiert ob des netten Treffens. „Sollen wir nicht seinen Promoter fragen, ob wir alle zusammen noch Mittagessen?“, schlug Thomas vor. Ich fand das (wenig überraschend) eine großartige Idee. Wir hatten beide das Gefühl, dass es mit Gore noch viel Gesprächsstoff gab. Außerdem kannten wir den begleitenden Promoter der Plattenfirma ganz gut. Ihn nach einem gemeinsamen Mittagessen zu fragen, wäre jetzt nicht total abwegig gewesen. „Meinst Du wirklich?“, fragte ich noch mal. „Klar“, sagte Thomas, und blickte sich schon mal nach dem Promoter um.

Da öffnete sich wie von Geisterhand die Tür der Suite. Nach einem kurzen Moment erschien Martin Gore im Türspalt und lächelte uns an.

In einem Bruchteil einer Sekunde spielte sich in meinem Kopf diese Szene ab: „Hey Jungs“, sagte Gore, „das war echt ein nettes Gespräch. Wollt Ihr nicht noch warten, bis ich hier fertig bin und dann gehen wir zusammen Mittagessen? Ich glaube, wir haben noch eine Menge Gesprächsstoff.“

In Wirklichkeit sagte Gore: „Hey Jungs, könnt ihr mir Euer Mikro leihen? Der Typ, der gerade bei mir ist, hat seines vergessen. Der Promoter gibt es Euch dann gleich wieder.“

Thomas und ich waren glaube ich beide gleichermaßen überrascht und enttäuscht – rückten dann aber das Mikro raus. Anschließend warteten wir eine Stunde in der Lounge, bis wir das Mikro wiederbekamen. Gore selbst bekamen wir an dem Tag nicht mehr zu Gesicht.

Die Solo-Platte, über die wir mit ihm gesprochen hatten, ist übrigens super. Wie der Vorgänger von 1989. Und wie die Elektro-Platte, die Gore 2012 mit Vince Clark als VCMG veröffentlicht hat. Außerdem ist Gore ja der Komponist solcher Klassiker wie „Enjoy The Silence“, „In Your Room“ oder „Wrong“. „MG“, die jetzt erscheinende Platte, hat also das Potenzial, eine gute zu werden.

Das erste Stück, das bekannte wurde, ist erst mal ganz nett.

MG – Europa Hymn (Official Video) from Mute on Vimeo.

Nicht besonders aufregend oder innovativ, aber auch nicht so Besorgnis erregend wie die Vorboten der letzten Depeche-Mode-LP. Klingt wie eines der Instrumentals, die DM regelmäßig auf ihren Alben unterbringen. Aber vielleicht gibt es auf „MG“ ja noch ein paar Überraschungen.

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