Interlude: Zehn Alben der Achtziger

Interessante Diskussion, die da in einigen Blogs gestartet wurde: Bei Wortvogel, Don Dahlmann und Tante Jay geht es jeweils um „Zehn Alben der Achtzigerjahre“. Ich fing sofort an, mir zu überlegen, welche zehn Alben wohl bei mir auf die Liste kämen. Und das hier sind die ersten zehn, die mir bei der Aufgabenstellung eingefallen sind.

Depeche Mode – Black Celebration
Für unsere Liste der 100 Songs, die man kennen sollte, habe ich mich für „Enjoy The Silence“ entschieden. Einfach, weil hier in knapp vier Minuten so viele der guten DM-Eigenschaften vereint sind. Die besten Alben von Depeche Mode sind allerdings „Songs Of Faith And Devotion“ (von 1993 und damit nicht für diese Liste geeignet) und – „Black Celebration“. 1986 erschienen, war das bis dato sicher das düsterste und experimentellste Werk der Band. Traditionelle Songstruktren und gelernte Sounds wurden zugunsten von Titeln wie „Sometimes“, „World Full Of Nothing“ oder „It Doesn’t Matter Two“. Trotzdem zugänglich, eingängig und mit Ohrwurmpotenzial.

Ultravox – Quartet
„Quartet“ war 1983 schon meine dritte Ultravox-LP. Mein Einstieg war das noch etwas ruppige „Vienna“, es folgte das schon glattgebügeltere „Rage In Eden“. „Quartet“ war die logische Konsequenz dieser Entwicklung: Songs wie „Reap The Wild Wind“, „Hymn“, „We Came To Dance“, „The Song (We Go)“ oder „Visions In Blue“ gingen in ihrer Hymnenhaftigkeit viel weiter, als man es bis dahin von Ultravox kannte. Leider nur acht Titel – aber alle klasse.

ABC – The Lexicon Of Love
Eines der besten Alben der Achtziger. Aber das hatte ich ja schon gesagt.

Heaven 17 – The Luxury Gap
Auf den ersten Blick eine weitere Synthie-Band der Achtziger. Heaven 17 waren aber irgendwie anders. Mit ihren politischen Statements hoben sie sich deutlich von Mitstreitern ab. Und ein Song, der mit „I was 37, she was 17“ anfängt, ist für einen 13-Jährigen auch irgendwie weit weg von der Lebenswelt. Ich habe vermutlich gedacht: „Heaven 17 sind Synthie-Pop für Erwachsene.“ Und wahrscheinlich höre ich die LP darum auch heute noch gern.

New Order – Technique
Die Mischung aus Acid House und Indie-Pop ist gewagt und grenzt schon fast an Schizophrenie. Entsprach aber genau meinen Vorlieben im Frühjahr 1989. Tolle Platte – mehr dazu hier.

The The – Mind Bomb
Matt Johnson hat in den Achtzigern drei tolle LPs veröffentlicht. „Soul Mininig“, „Infected“ und „Mind Bomb“ wurden später mal zu seinen „London Years“ zusammengefasst. Alle drei haben ihre Qualitäten, „Mind Bomb“ klingt heute am wenigsten outdated. „Kingdom Of Rain“ und die drei letzten Titel des Albums fassen so ziemlich alles zusammen, was man zur Liebe zwischen zwei Menschen sagen kann. Und „Armageddon Days Are Here (Again)“ könnte aktueller nicht sein.

The Cure – Disintegration
1987 war ich endgültig von Pop zu Indie umgeschwenkt. Eine Platte, die diese beiden Pole vereinte, war „Disintegration“. „Lullaby“ und „Love Song“ sind schnell zugängliche Songs, die ja auch im Radio funktionierten, der Titelsong oder „Same Deep Water As You“ sind niederschmetternde Ungetüme, die einen sofort apathisch und träge machen. Alle gemeinsam haben sie wunderschöne Melodien, einen zu jeder Zeit berührenden Robert Smith und viele schaurig-schöne Erinnerungen an die Abi-Zeit.

Public Enemy – Welcome To The Terrordome
Hier will ich nicht zu früh zu viel verraten… aber von den drei Achtziger-Alben von Public Enemy ist das hier das beste. 1991 perfektionierten Public Enemy ihren Ansatz mit „The Empire Strikes Black“ – für diese Liste ist das ja aber zwei Jahre zu spät.


Public Enemy – Welcome to the terrordome – MyVideo

The Smiths – The Queen Is Dead
Wenn man 1987 in bestimmen Kreisen akzeptiert werden wollte, musste man The Smiths hören. Also versuchte auch ich mein Glück und kaufte „The Queen Is Dead“. Aus dem Vernunftkauf wurde schnell eine große (wenn auch kurze) musikalische Liebe. Schade, dass „How Soon Is Now“ nicht drauf ist – sonst wäre die LP perfekt.

Billy Idol – Rebel Yell
Ich hätte mir nach „Eyes Without A Face“ niemals eine LP von Billy Idol gekauft. Dann war ich aber auf einem Geburtstag eingeladen, bei dem die Gastgeberin „Rebel Yell“ geschenkt bekam. Den protokollarischen Regeln folgend, wurde die Platte dann auch gleich aufgelegt – und alle meine Vorbehalte wurden innerhalb weniger Sekunden weggeblasen. Als die Platte mit dem ruhigen „Death Next Door“ zu Ende ging, war ich ekstatisch ob der grandios kalkulierten Energie der Platte. Das war wild, aber irgendwie noch Pop. Es war im richtigen Moment ruhig, aber alles in allem doch eine mitreißende Achterbahnfahrt. Und cool war Billy Idol obendrauf.

Mir fallen jetzt, nach der Veröffentlichung, sicherlich noch viele weitere LPs der Achtzigerjahre ein, die ich mit auf die Liste nehmen wollte. Was ist mit Tears For Fears oder Adam Ant….? Beim nächsten Mal.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: 10 Alben eines Lebensabschnitts – plus Zugabe | Tante Jays Café

  2. Ich bin ja musikalisch ein Kind der später 80er, daher fällt meine Musikauswahl ein ganz klein wenig anders aus. Ich schreibe jetzt aber nur mal die Titel der 10 Alben auf und enthalte mich ausführlicherer Kommentare, um für unseren Blog hier nicht zu viel vorweg zu nehmen.

    Bronski Beat – The Age of Consent

    The Smiths – Meat Is Murder

    Die Ärzte – Ab 18

    Michael Jackson – Thriller

    Bruce Springsteen – Born in the U.S.A.

    David Bowie – Never Let Me Down

    Housemartins – London 0 Hull 4

    Pet Shop Boys – Actually

    OST – La Boum 2

    Guns N’Roses – Appetite for Destruction

    Diese Alben habe ich wirklich rauf und runter gehört. Darüber hinaus gibt es noch zig Acts, deren Musik ich zwar feiere, heute aber lieber in Form von Best Of-Samplern oder Playlists höre, weil auf einigen Alben wirklich zu viel Ausschuss-Ware mit drauf war: Depeche Mode, Duran Duran, Madonna, Beastie Boys, Prince, Grönemeyer, AC/DC, Tears for Fears, U2, Talking Heads, R.E.M., Midnight Oil, The Christians, The Clash, Kate Bush, Wham!, OMD, Roxy Music, New Order, The Cure, The Stone Roses, N.W.A und De La Soul.

    Angesichts der Menge war das jetzt keine besonders mutige Auswahl, aber dafür die Wahrheit :-)

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