Gastfeature: Disko Partizani

Wenn Du das nächste Mal in Bonn bist, musst Du unbedingt mal auf das Township Bonn. Darius Darek hat ein Rheinfahrtschiff in diesem Winter zu einer tollen Location umgewandelt. Fast täglich gibt es dort Veranstaltungen: von „Murder Ahoy“ in Originalfassung über Diskussionsveranstaltungen und Jazz Brunch bis hin zu amtlichen Parties. Darius selbst ist darüber hinaus auch als DJ, Veranstalter und Musikproduzent fleißig – und außerdem auch noch total nett. Grund genug also, ihn zu fragen, welchen Song man aus seiner Sicht kennen sollte. Seine Wahl:

„Disko Partizani “ von Shantel (2007) von Darius Darek

Im Jahr 2007 produziert, hat dieser Track für eine neue Popularitätswelle der Weltmusik gesorgt. BalkanBeats wurden salonfähig und die dazugehörigen Parties in den Groß- und Unistädten Europas feierten den Ostalgie-Vibe & Hype.

Aber nun zum Anfang: Weltmusik ist ein schwer zu beschreibendes Genre. Die Etymologie hat musikwissenschaftliche, kulturelle und ökonomische Gründe, die Jahr für Jahr auf der Szene-Fachmesse WOMEX aufs Neue heiß diskutiert werden. Nichtsdestotrotz hat sich seit den Achtzigerjahren ein recht lebhafter und global agierender Musikmarkt herausgebildet, dessen erste Generation vor allen Dingen von Wim Wenders „Buena Vista Social Club“-Hype profitiert hat.

Und dann kam „Disco Partizani“. Das erste Mal habe ich dieses Lied bei WDR Funkhaus Europa gehört, der einzigen deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Radiostation für globale Sounds. Mein Eindruck war, dass es anders klang als die Balkan-Remixe von Shantel, die vor „Disko Partizani“ rausgekommen sind und ich wusste nicht, ob es bei meinem Publikum ankommt. Der Track wurde dann doch schnell ein wichtiger Bestandteil in meinen Sets und in den Sets von in dieser Zeit neu entstehenden World/BalkanBeat-Parties. Die zweite World-Generation, also die jetzigen 25- bis 40-Jährigen, war geboren und öffnete ihren Zeit- und Partygenossen Türen und Ohren zur Weltmusik. Die bisherige Live-Szene wurde um das Clubbige erweitert.

Mit 100 BPM, einem groovigem Offbeat, einer Instrumentierung von Akkordeon, Gitarre, Drums, Bass und Bläsern sowie mit einem zweisprachigem Gesang (Englisch und Rumänisch) schafft der aus Frankfurt stammende Producer und Musiker Stefan Hantel aka SHANTEL eine gelungene Melange zwischen Dancehall/Reggae und Gypsymusik. Ja, Gypsymusik! Es handelt sich bei den sogenannten BalkanBeats nicht um die Popmusik der Ex-Yugo-Länder, sondern IMMER um die balkaneske Sinti- und Roma-Musik, die mal mit westlichen Beats vermengt und mal puristisch gespielt wird!

Der Kracher kommt jedoch im Refrain: „Disko, Disko, Partizani. Party, Party, Partizani!“. Hier grölt jeder vodkabeladene Partygast kräftig mit und schwingt ein in eine Feierlaune, die ihn vielleicht an Szenen des Emir-Kusturica-Films „Schwarze Katze, weißer Kater“ erinnert.

Was für ein schönes Chaos!

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