Interlude: Beastie Boys

Gerade ist ein Video aufgetaucht, das mich ernsthaft zu Tränen rührt: Ein unveröffentlichter Clip der Beastie Boys – und dann auch noch zusammen mit einem sehr prominenten Feature-Gast.

Nach dem tragischen Krebs-Tod von MCA vor zweieinhalb Jahren hatten die verbliebenen zwei Beastie Boys ja ihren Abschied verkündet und eine sehr restriktive Haltung gegenüber der Veröffentlichung und Weiterverwendung ihrer Musik an den Tag gelegt. Einerseits sehr verständlich, andererseits traurig für den Fan, der sich nach mehr Material sehnte.

Doch nun ist im Netz ein Clip aufgetaucht, der zumindest optisch vielen Fans Freude bereiten dürfte: Die Beastie Boys rappen sich wieder einmal durch einen Supermarkt und werden dabei von keinem geringeren als Nas begleitet.

Die Beasties und Nas – auf den ersten Blick eint beide Parteien wenig. Die Einen stammen aus der weißen New Yorker Mittelschicht und fingen in den späten 70ern als Punkrocker an und kamen über die DIY-Attitüde irgendwann in den 80ern zum Rappen. Der andere wuchs im schwarzen Brennpunkt Queensbridge auf, wo man in den frühen 90ern kaum eine andere Wahl hatte, entweder kriminell zu werden oder eine Karriere als Sportler oder eben Rapper zu starten. Entsprechend unterschiedlich sind die Selbstinszenierungen der Rapper: Während die Beasties sich immer am Rand des Rap-Genres befanden und mit diversen anderen Strömungen liebäugelten, gilt Nas als klassischer Eastcoast-Rapper, dessen Sound zu großen Teilen hörbar von typisch schwarzen Soul- und R’n’B-Einflüssen geprägt war. Die Einen zogen mit dem Erfolg nach L.A. und vertieften sich in Pop-Kultur und Buddhismus, trugen dazu alte Adidas-Turnschuhe und 70er-Jahre-Polohemden. Der andere stieg zum New Yorker Player auf und inszenierte sich als Mafia-Don mit Goldketten und Pelzmänteln.

Dennoch gibt es aus meiner Sicht eine große Schnittmenge: 1994 veröffentlichten beide Acts ihre jeweiligen Meisterwerke. Nas rappte nie wieder so gut wie als 20-Jähriger auf seinem Debütalbum „Illmatic“, die Beasties lieferten mit „Ill Communication“ eine sensationelle Platte für die Slacker-Generation, die keine Angst vor verstörenden Sounds hatte.

Und somit fühlt es sich richtig an, dass die Beasties ihren sehr typischen Beastie-Sound zusammen mit Nas bearbeiten und sich dabei sogar gegenseitig zitieren. Wenn wir uns am Ende des Jahres wieder unsere Bestenlisten um die Ohren hauen, wird dieses Video in jedem Fall mit dabei sein.

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