Advertorial: U2

Dafür, dass sie für ihre Aktion mit dem verschenkten Album so viel Prügel haben beziehen müssen, ist die Nachfrage nach Tickets zur anstehenden U2-Tour offensichtlich doch recht groß. Schon kurz nach Beginn des Vorverkaufs haben U2 aufgrund der großen Anfrage einige Zusatztermine anberaumt. Ich werden nicht hinfahren – auch wenn ich U2 lange mochte und auch gern an mein erstes U2-Konzert zurückdenke.

Als U2 1991 „Achtung, Baby“ veröffentlichten, hatte ich mit der Band eigentlich schon abgeschlossen. Nach viel Begeisterung für die ersten fünf Alben, ging mir der Blues von „Rattle & Hum“ gehörig auf den Keks. „New Year’s Day“, „The Unforgettable Fire“ oder auch „With Or Without You“ hatte ich geliebt. Auftritte aus den ersten Bandjahren – die im ZDF oder beim WDR spät abends gezeigt wurden – fand ich beeindruckend. „When Love Comes To Town“ oder „Angel Of Harlem“ aber fand ich schrecklich. Während Depeche Mode einen Konzertfilm machten, in dem sie ihre Hits (mit ein paar erträglichen Unterbrechungen) präsentierten, machten U2 stilistisch eine Volte, die ich nicht mitgehen wollte.

Umso überraschter war ich, als ich auf Drängen eines guten Freundes doch in „Achtung, Baby“ reinhörte. Gleich der erste Song, „Zoo Station“ entsprach so gar nicht meinen Erwartungen. Bonos zuletzt nervende Stimme war verfremdet, der Blues fehlte – das waren schon mal zwei Pluspunkte gleich in den ersten Minuten. Und Stück drei war gleich „One“, einer der wunderbarsten Songs, die U2 jemals aufgenommen haben. Vielleicht sogar einer der größten Popsongs überhaupt. Auch die weiteren Songs auf der LP wussten mir zu gefallen. Weil sie zeitgemäß groovten, weil sie verletzlich klangen, weil sie Popmusik im schönsten Sinne waren. „Achtung, Baby“ gefiel mir so gut, dass ich eine Rezension dazu als Arbeitsprobe beim Intro abgab.

Keine Frage: So angefüttert, wollte ich die Band auch mal live sehen. Und fuhr also mit meinem Freund zum Dortmunder Konzert der „Zoo TV“-Tour. Ich nehme das Fazit des Abends mal vorweg: Ich war begeistert und erschlagen. Begeistert ob des Aufwands, den die Band betrieb. Erschlagen – ob des Aufwands, den die Band betrieb. Es hingen Trabis von der Decke, es flimmerten Fernseher, es kamen alle meine Hits (zu dem Zeitpunkt war ich dankbar, dass „Sunday Bloody Sunday“ nicht dabei war). Und meinen Lieblingssong „One“ haben sie zudem mit einem absolut bewegenden Video untermalt. Als am Ende des Songs eine Herde Büffel in einen Abgrund stürzt, bin ich den Tränen nahe.

U2 machten auch in den kommenden Monaten vieles richtig. Sie ließen ihre ohnehin schon coolen Rock-Songs von coolen Club-Produzenten remixen. Sie koppelten weiter die richtigen Songs als Singles aus. Und als sie kaum ein Jahr später für mich überraschend erneut wieder Konzerte in Deutschland ankündigten, standen mein Freund und ich natürlich wieder beim „CD-Master“ am Ticket-Vorverkaufsstand. Als ich dann noch erfuhr, dass die Stereo MCs als Vorgruppe im Weserstadion angekündigten waren, war ich restlos begeistert.

Diesmal fuhren wir also nach Bremen. Meine Vorfreude war mittlerweile etwas getrübt – als Vorgruppe kamen leider die Toten Hosen dazu. Auf dem Weg ins Weserstadion drückten man uns Flyer in die Hand, die ein neues Album („Zooropa“) ankündigten. Wir fragten uns, wann die Band das denn aufgenommen haben konnte. Die Stereo MCs waren dann viel zu leise, die Hosen viel zu laut – irgendwie fühlte sich das alles nicht mehr so richtig an, bevor U2 überhaupt auf die Bühne kamen. Retten konnten sie es dann auch nicht mehr. Weder die Songauswahl gefiel mir („Sunday Bloody Sunday“ war wieder auf der Setlist), noch sprach mich das noch einmal aufgeblasene mediale Drumherum an. Müssen wirklich drei Leute mit Kameras um The Edge herumstehen, wenn er das Gitarrensolo von „Bullet The Blue Sky“ spielt?

Ich nahm das ganze nicht mehr als Konzert wahr, sondern als eine seelenlose Show. Der Unterschied zu „Starlight Express“ war irgendwie nicht mehr groß… Enttäuscht fuhr ich nach Hause. Noch mal auf ein U2-Konzert fahren? Für mich seitdem undenkbar.

Es sind aber vermutlich diese beiden Tourneen, die auch heute noch dafür sorgen, dass Leute unbedingt Tickets für U2-Konzerte kaufen wollen. Die sich auch von größenwahnsinnigen Konstruktionen abhalten lassen, mit denen angeblich aus jeder Ecke eines Stadions ein guter Blick auf die Musiker möglich sein soll.

Der Erfolg gibt der Band recht. Und die Resonanz auf die Vorverkäufe zur jetzt anstehenden „Innocence + Experience“-Tour lassen vermuten, dass U2 im kommenden Jahr erneut zu den Großverdienern des Pop gehören werden.

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