Interlude: The Sisters Of Mercy

Was? Schon über eine Woche her, dass ich hier zuletzt etwas gepostet habe? Spontan würde ich sagen: Das kann nicht sein. Schließlich ist es ja nicht so, dass ich in den vergangenen Tagen keine Musik gehört hätte. Neben den vielen neuen Sachen, die ich angespielt habe, hat mich aber auch etwas Altes wieder begeistert: „Ich hör Dich rufen, Marian…“

Frag‘ mich nicht. Es mag am Herbst liegen. Daran, dass es wieder früh dunkel wird. Oder am anstehenden Klassentreffen. Oder an einer zufälligen Überraschung auf dem iPod. Auf jeden Fall bin ich bei den Sisters Of Mercy gelandet. Als ich erstmals auf die Band aufmerksam gemacht wurde, so 1986, gab es ja kaum Gelegenheiten, obskure Bands zu recherchieren. Entweder es stand etwas in der Bravo – oder man musste sich auf Erzählungen verlassen. Und zu den Sisters Of Mercy gab es so einige Gerüchte. Dass Andrew Eldritch seine Hose niemals ausziehen würde – auch nicht zum Schlafen. Dass er im Bett aber immerhin seine Sonnenbrille abnehmen würde. Dass er sich mit früheren Bandmitgliedern komplett überworfen habe. Dass es ein noch viel mysteriöseres Projekt namens Sisterhood gebe und und und… Solche Sachen kamen über mehrere Ecken bei mir an und sorgten natürlich dafür, dass The Sisters Of Mercy mir cool und bewundernswert erschienen.

1987 und mit der LP „Floodland“ kamen The Sisters Of Mercy im Mainstream an, „This Corrosion“ war ja ein ordentlicher Hit. Und damit wurde es auch für uns auf dem Land leichter, an Platten und Informationen zu kommen. Das führte dazu, dass ich im Oktober 1988 auf der London-Fahrt meines Jahrgangs vor allem eine Kassette ständig im Walkman hörte: auf der einen Seite war „Floodland“, auf der anderen das Vorgänger-Album „First And Last And Always“. In meiner – natürlich inzwischen total verklärten Erinnerung – habe ich auf der Jahrgangsfahrt viel Zeit in U-Bahnen verbracht und dabei mein Sisters-Tape gehört. Das Schöne war: Wenn ich nach „Marian“ und somit den ersten fünf Songs von „First And Last And Always“ umdrehte, ging es auf der anderen Seite mit „This Corrosion“ weiter. Ich kaufte mir dann noch die damals aktuelle Single, „Lucretia My Reflection“ und ein T-Shirt in London und war glücklich.

Aus dieser Vergangenheit heraus habe ich dann sogar noch das Nachfolge-Album „Vision Thing“ mit seinen langweiligen Rocksongs ertragen. Danach aber kam von den Sisters nichts mehr, das mich begeistert hätte. Ich kaufte also noch die Maxis, die vor 1985 erschienen waren, und freundete mich insbesondere mit „Alice“ an.

Und genau diesen Ausschnitt aus dem Sisters-Werk läuft derzeit bei mir auf Heavy Rotation. Und fühlt sich irgendwie ganz passend an. Ich liebäugele sogar mit einem neuen Sisters-T-Shirt. Und stelle mich langsam auf den Herbst ein.

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