Interlude: Olson

Soll ich Dir was verraten? Ich habe eine große Aversion gegen R’n’B. Jedenfalls zu der Art von Musik, die man seit den 90ern darunter versteht: Ein mit Rap-Accessoires ausgestatteter Schmusesänger sitzt auf Motorhauben von teuren Autos und schmachtet über irgendwelche Sauereien, die er kommende Nacht mit seiner Angebeteten plant. Dazu dödelt ein pulleriger Beat-Teppich und irgendwo nach dem zweiten Refrain tut der Sänger dann kurz so, als ob er rappen könne. T.E.R.R.I.B.L.E.!

Ich habe nie verstehen können, warum gerade diese Sound auf Partys so gut ankommt: angeblich, weil man dazu besser tanzen kann als zu Rap. Gut, das mag in den harten 90ern vielleicht auch wirklich so gewesen sein. Aber wenn ich auch nur ganz kurz Tracks von R. Kelly, Usher, Genuwine und Mark Morrison hintereinander abspiele, wird mir unwohl.

Umso mehr freut es mich, dass in diesem Genre gehörig aufgeräumt wurde und der Blues in R’n’B wieder stärker betont wird. So wie es aus meiner Sicht heute Künstler wie Justin Timberlake, Rihanna und Bruno Mars tun, ohne dabei den zeitgemäßen Sound aus den Augen zu verlieren.

Jedenfalls empfinde ich meist eine gewisse Melancholie, wenn ich deren Songs höre. So geht mir das auch mit Olson: Bei ihm gibt es interessante Textebenen, gute Wortspiele und vernünftige Themen. Und das alles mit viel Soul und abwechslungsreichen Beat-Strukturen serviert. Tiefgründig und leicht zugleich.

Vor ein paar Wochen hatte ich Dir ja bereits „James Dean“ ans Herz gelegt, jetzt hat er noch mal mit „Hollywood“ nachgelegt. Und weißt Du was? Sein morgen erscheinendes Album „Ballonherz“ wird auf meiner kommenden Urlaubsreise einen festen Platz im Autoradio haben!

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