Interlude: Inglebirds

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an DCVDNS – den Rapper aus dem Saarland, der für seinen Einstieg in die Bekanntheit in einen roten Lacoste-Pollunder schlüpfte und sich über alles und jeden lustig machte? Ein Wolf im Schafspelz, wie sich später herausstellte, als er den Pollunder ablegte und zur AK47 griff.

DCVDNS gehört seit zwei Jahren zu meinen absoluten Lieblingen im deutschen Rap-Game. Das hat gar nicht so viel damit zu tun, dass er durch sein absurdes Handeln den Humor einen Schritt weiter gebracht hat. Nein: DCVDNS ist einfach ein verdammt guter Rapper, der das Spiel komplett verstanden hat.

Er hat seinen Heimatort, das beschauliche St. Ingbert, auf die Rap-Landkarte gebracht. Und er präsentiert das 36.000-Einwohner-Nest in seinen Videos so selbstbewusst, als wenn er mindestens mal mitten in Compton oder der südlichen Bronx leben würde. Wie gesagt: Das Spiel mit der Wahrnehmungs-Manipulation beherrscht er perfekt.

Interviewfragen beantwortet er einsilbig oder er bringt gleich mal seinen „Rechtsanwalt“ mit, der ihm vor laufender Kamera dazu rät, bestimmte Antworten gar nicht erst zu geben. Wofür DCVDNS steht, weiß übrigens bis heute keiner so ganz genau – vielleicht nicht mal er selbst.

Vor einigen Monaten hat er erstmals angekündigt, seine Crew zu präsentieren – die Inglebirds. Nun sind sie da und vertreten gleich auch noch das Saarland beim nächsten Bundesvision Song Contest von TV-Metzgermeister Raab. Der weiß genau, was er an DCVDNS und seinen Homies hat: Eine wunderbare Adaption des Westcoast-Rap-Stils Mitte der 90er Jahre. G-Funk, Karo-Hemden, schwarze Klamotten und besten SWAG, als es das Wort so noch gar nicht gab.

Und obwohl die Saarländer erklärte Westcoast-Fans sind, haben sie in „Wadadadang“ einen Gangster-Rap-Klassiker der New Yorker Schule – ja man muss sagen – gecovert: das wunderbare „My 9mm Goes Bang“ von Boogie Down Productions aus dem Jahr 1987.

Und während es unter Rappern momentan Mode ist, zu behaupten, dass langsam zu rappen viel schwieriger sei, als schnell, scheren sich die Inglebirds einen Dreck darum und spitten weiter Doubletimes – oder etwas, das halt noch schneller ist.

Was soll ich sagen: Ich finde das großartig und freue mich auf das Album!

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