Interlude: Prinz Porno

Als Prinz Pi ging er im vergangenen Jahr auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Doch als Prinz Porno hatte sich Friedrich Kautz bereits ab der Jahrtausendwende einen Namen gemacht. Nun ist er wieder unter altem Namen am Start.

Porno – das bedeutet bei ihm nicht etwa Gangbang-Fiktionen oder frauenverachtende Reime. Der Name leitete sich aus seinem Faible für Graffiti ab: Porno steht bei ihm für Schmutz, Straße, Aufbegehren. Doch das hat nicht immer gleich gut funktioniert, wie er Mitte der Nuller Jahre bemerkte.

Damals verdrängten gerade Straßen-Rapper aus Berlin die Platzhirsche zurück nach Hamburg und Stuttgart: Mit Sido, Frauenarzt, Bushido und King Orgasmus One wurden plötzlich Künstler bekannt, die sich in ihren Texten gerne und oft expliziter Sexual-Beschreibungen und Gewalt-Metaphern bedienten. Von den Teenies geliebt und von der ernstzunehmenden Musikpresse verschmäht. Doch damit lies es sich für die besagten Künstler gut leben, so lange die Kassen klingelten.

Nur nicht für Friedrich Kautz, der durch seinen Namen zu Unrecht in diese Schublade gesteckt wurde: Viele Redakteure machten sich erst gar nicht die Mühe, in seine CDs reinzuhören. Also wurde er zu Prinz Pi.

Der Erfolg kam zwar dadurch nicht über Nacht, aber die Einstellung der Rezipienten (mich eingeschlossen) änderte sich: Und so hat er sich über einen Zeitraum von gut zehn Jahren heute in die Top-Liga der Rapper mit kommerziellem Erfolg gespielt.

Warum nun wieder Prinz Porno? Tja, das kann man eigentlich nur so richtig verstehen, wenn man selber mal Kunst produziert hat und irgendwann halt den Wunsch verspürt, zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Prinz Pi hat sich nie endgültig von Prinz Porno verabschiedet – letzterer war immer irgendwie da. Und auf seinen Konzerten ist jedes Mal spürbar, wie die Menge auch nach alten Tracks aus den Anfangstagen verlangt.

Und während das Nummer-1-Album u.a. mit einem Original-Mikrophon von Paul McCartney und Tausend anderen Soundschmankerln aufgenommen wurde, ist der „neue alte“ Sound von Prinz Porno ist hörbar roher. Was ich damit meine? Hör selbst: so klingt der Sommer 2014:

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