Interlude: Erdmöbel

Seit fast zwei Wochen liegt eine Mail von Erdmöbel in meinem Posteingang und will einfach nicht von allein weggehen. Die Band will mir ihr neues Video „Jede Nacht“ nahe bringen. Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, die Nachricht zu löschen – auch wenn ich mit den letzten beiden Platten der Band aus Köln nicht viel anfangen konnte. Das war mal ganz anders – und die Erinnerung an ein paar schöne gemeinsame Jahre ist sicherlich die Ursache dafür, dass ich die Mail nicht gleich in den Papierkorb verfrachtet habe.

Und die Ankündigung, dass Desirée Nosbusch in dem Video mitspielt, hat mich sicherlich auch neugierig gemacht.

Mit „Altes Gasthaus Love“ hatten sich Erdmöbel 2003 in mein Herz gespielt. Die Platte lief bei uns in der Redaktion damals rauf und runter. Mit meinen Kollegen diskutierten wir lebhaft, welcher denn nun der beste Song auf der Platte sei. Für mich stand fest: „Busfahrt“ und „Der blaue Himmel“ waren die Highlights – die ich auch heute immer noch gern höre und in Mixtapes schmuggle.

Auch das Nachfolge-Album „Für die nicht wissen wir“ gefiel mir ausgesprochen gut. Der Songtitel „Am Arsch Welt, kannst Du mich kaputtschlagen“ war über lange Zeit mein Bildschirmschoner. Auch das „Lied über gar nichts“ und die Adaption „Nah bei Dir“ sind tolle Songs. Ich habe Erdmöbel in der Zeit zweimal live gesehen und war bei beiden Gelegenheiten begeistert.

Dass die Band in den darauf folgenden Jahren bei Kritikern immer beliebter wurde, gönnte ich ihr von Herzen. Allein: Je mehr Anerkennung Erdmöbel im Feuilleton erfuhren, umso weniger konnte ich mit ihren Songs anfangen. Die letzte Platte „Krokus“ schließlich machte gar nichts mehr mit mir. Und so hatte ich Erdmöbel eigentlich abgehakt.

Aus alter Verbundenheit aber lasse ich mir weiterhin ihre Mails schicken. Die meisten lassen mich kalt. Aber als ich dann jetzt aufschnappte, dass sie mit Desirée Nosbusch ein Video produziert hatten, war meine Neugier wieder geweckt. Nosbusch hatte zu Beginn der Achtzigerjahre die Sendung „Music-Box“ moderiert – als Teenager. Zu einer Zeit, in der Typen wie Dieter-Thomas Heck oder Ilja Richter im „Muikfernsehen“ den Ton angaben, war das schon eine kleine Sensation. Und es gab einen von Nosbusch moderierten Moment, der auf mein Leben einen entscheidenden Einfluss gehabt hat.

Jetzt also habe ich nach gut zwei Wochen endlich auf den Link geklickt und mir das gemeinsame Video einer ehemaligen Lieblingsband und einer ehemaligen Lieblingsmoderatorin angesehen.

Und bin angenehm berührt. Von dem Song. Der Haltung. Der Inszenierung. Den Protagonisten. Ich bin froh, „Jede Nacht“ eine Chance gegeben zu haben. Und werde die nächste Mail von Erdmöbel sicherlich nicht erst 14 Tage liegen lassen, sondern gleich öffnen.

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