Gastfeature: If It Makes You Happy

Wir freuen uns immer über Kommentare. Und Ines von „Morgen wird gestern“ hat uns in den vergangenen Monaten oft diesen Anlass zur Freude gegeben. „Die kennt sich aus“, dachten Mikko und ich, „dann wäre doch auch ein Gastbeitrag schön.“ Und auch den Gefallen hat sie uns getan. Wir freuen uns einmal mehr – und wünschen viel Vergnügen mit:

„If It Makes You Happy“ von Sheryl Crow (1996) von Ines

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Einen Song soll ich euch hier vorstellen. Einen Song, der mich bewegt hat und am besten auch einen Song, der euch irgendeinen Mehrwert bietet. Ich hätte mich jetzt als coole Hardcore Punk Rockröhre positionieren können oder als stets informiertes Indie-„Hauptsache kein Mainstream“-Mädchen. Jetzt gehe ich aber doch den Weg des familienliebenden Erinnerungsschwamms. Nun ja.

Letztens auf einem Konzert der Real Friends: „No matter how fucked up everything else is, music will cheer you up“ (oder so). Keine bahnbrechend innovative Aussage, doch durchaus wahre Worte. Musik begleitet mich zuverlässig durch mein komplettes Leben, aber in traurigen Momenten sind bestimmte Lieblingssongs doppelt wichtig.

Bei mir gibt es zwei Varianten von tröstender Musik. Einmal die extrem traurigen Songs, wenn gar nichts mehr geht. Man suhlt sich im Selbstmitleid und depressive Lyrics und schwermütige Melodien geben den deprimierten Seelenzustand treffend wieder. Dann gibt es aber noch meine „Happy“-Songs. Lieder, mit denen ich nur Gutes verbinde und die mich einfach irgendwo tief im Inneren berühren. Die mich aufmuntern und mir Kraft schenken, wenn ich gerade einen kurzen Knacks erlebe, aber mich noch nicht leidend ins Bett verkrieche.

David Bowies „Heroes“ zählt zu dieser Kategorie, auch „In this Shirt“ von den Irrepressibles passt zu solch kleinen Tiefpunkten. Ein weiterer Favorit, der sich manchmal monatelang auf meinem iPod versteckt und dann aber wieder auf Repeat laufen darf, ist „If it makes you happy“ von Sheryl Crow. Dass ich diesen Song überhaupt kenne, ist Britney zu verdanken. Ja, Britney Spears.

Als ehemaliges BritBrit-Fangirl zählte ich natürlich auch ihr (von Kritikern verrissenes) Roadtrip-Movie „Crossroads“ zu meinen Lieblingsfilmen. An einer Stelle sitzt „Lucy“ mit ihren neuen Bekanntschaften im Cabrio. Als „If it makes you happy“ im Radio ertönt, drehen sie den Regler auf, singen lautstark mit und vergessen für einen kurzen Moment all ihre Sorgen. Damals gab es noch nicht Shazam & Co., daher fragte ich mich jahrelang, was für ein super Lied da eigentlich angespielt wurde. Da dieser (echt ziemlich platte) Film dermaßen floppte, gab es auch keine Soundtrack-CD, an der ich mich hätte orientieren können.

Irgendwann, als ich so langsam dieses Internet verstand, googelte ich dann aber ein paar englische Songfetzen und fand so endlich den Titel heraus.


Sheryl Crow — If It Makes You Happy (Closed-Capti… – MyVideo

Wie er letztendlich den Weg in meine Musikbibliothek fand? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich an einen Nachmittag mit meiner Schwester, an dem wir alle pubertären Streitigkeiten beiseite legten. Wir hörten „If it makes you happy“ und rasteten gepflegt dazu aus – genau wie in „Crossroads“. Eine unserer besten Erinnerungen.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ines, willkommen im Outing-Club ungeahnter Lieblingssongs. Was Du da beschreibst, kenne ich nur zu gut: Bei uns findet sich schließlich eine Reihe von Künstlern, die mir in verschiedenen Phasen meines Lebens so peinlich gewesen wäre, dass ich lieber meine Sneaker angekaut hätte, als zuzugeben, dass mir bestimmte Artists und Songs gefallen haben. Doch wenn man erst mal ein Dutzend Peinlich-Pop-Bekenntnisse verfasst hat, wird es immer einfacher 😉

    Reden wir also über Sheryl Crow, die Du ja ehrlicherweise einem ultracoolen Indie-Geheim-Act vorgezogen hast. Ich darf mich hier gleich mal wieder als Nicht-Kenner der Materie outen – ich hätte Dir aus dem Stehgreif keinen einzigen Sheryl Crow-Titel nennen können. Leider verwechsele ich ihre Lieder immer mit denen von Alanis Morissette oder Alannah Myles oder Shaniah Twain, obwohl ja ein Tauber hört, dass die außer dem Geschlecht nichts miteinander gemein haben. Und schon gar nicht die Stimmen. Daher mea culpa für diesen Pop-Chauvinismus, aber für mich war Sheryl Crow einfach immer eine von diesen zahlreichen Radio-Heulsusen, die auswechselbare All-American-Classic-Mucke gemacht haben (und ich weiß schon, dass die anderen Damen nicht alle Amerikanerinnen sind). 

    Um diese Bildungslücke nun aber zuverlässig zu schließen, habe ich diese Woche immer mal wieder Spotify angeworfen, um mich in das Oeuvre von Frau Morissette… äh sorry… Crow einzuhören. Und siehe da: „All I Wanna Do“ mochte ich früher eigentlich ganz gerne: Dieses „Until the Sun Comes Up Over Santa Monica Boulevard“ fand ich sogar ein wenig poetisch – zumal ich mich 1995 auf meiner ersten USA-Reise davon überzeugen konnte, dass das wirklich schön aussieht, was die Sonne da morgens in LA so anrichtet.

    Aber ich schweife ab. „If It Makes You Happy“ kannte ich natürlich auch – so taub konnte man 1996 ff. gar nicht durch Radio-Deutschland wandern, als dass man diesem Hit hätte entgehen können. Nun habe ich aber erstmals den Lyrics gelauscht und denke: Okay, eine ganz so große Poetin ist sie vielleicht doch nicht – irgendwie ist der Text etwas redundant. Aber wenn es Spaß machen soll, will ich mal nicht so sein: Ich kann mir gut vorstellen, wie niedlich Mädchen dazu singen, wenn sie im Sommer mit ihrer zweiten Flasche Bier im Garten oder am Oststrand oder irgendeinem See sitzen und sich freuen. Geht also für mich klar – was jetzt wieder viel herablassender klingt, als es gemeint ist, wie ich beim Tippen gerade merke… grrg…

    Um etwas davon abzulenken habe ich mir gleich noch mal das Video angesehen – diese merkwürdige Mischung aus „Nachts im Museum“ (der neulich mal im Fernsehen lief und wirklich schlimm war) und „Crying at the Discotheque“. Was aber wiederum als Referenz beides totaler Blödsinn ist, weil „If It Makes You Happy“ nachweislich früher entstanden ist – also haben Ben Stiller und Alcazar bei Sheryl Crow geklaut… ach, das führt auch zu nichts…

    Dann habe ich mir Fotos von Sheryl Crow angesehen – eine hübsche Frau mit diesem Ding am Mundwinkel… Schönheitsfleck sagt man wohl dazu… Der Knubbel ist sehr hilfreich, weil er ihr etwas Unperfektes an ihrer ansonsten makellosen Maklerinnen-Fassade verleiht – außerdem würde ich sie sonst mit dieser südafrikanischen Rückenschwimmerin verwechseln, die dem monegassischen Thronfolger jetzt wohl Zwillinge schenken wird. Oh mein Gott, ich schreibe mich um Kopf und Kragen… Also: Beide sehen sich überhaupt nicht ähnlich, sind aber ähnlich glatt poliert und damit austauschbar.

    Schnell noch mal ins Video geschaut: Au weia, wer hat ihr denn bitte DIESE Klamotten rausgelegt?!? Waren solche Blusen wirklich mal hübsch? Und der Mantel war wohl noch aus dem „Pretty Woman“-Fundus übrig und dann noch eine Zebra-Hose… Kurzer Gegencheck in irgendeiner Redaktions-Ausgabe der „Instyle“: Zebra geht angeblich wieder klar, schreibt einer von Patricia Riekels Fashion-Klonen – okay, ich habe halt keine Ahnung. Schon gar nicht, welche Outfits für Rocksängerinnen vor 18 Jahren cool waren. Daher eine kleine Blitzumfrage unter Kolleginnen zu Outfit und Song. Antworten: „Wiesoho?“, „Ist doch total cool!“, „Die Sheryl, ach das waren noch Zeiten…“, „If it makes you haaaaapy…“ 

    Hm, definitiv Mädchenmusik, aber so komme ich nicht weiter.

    Also letzte verzweifelte Maßnahme, um den Appeal dieses Songs zu verstehen: Ich klicke auf diesen unteren Link von Dir und lande bei dem Portal mit dem dubiosen Namen „vdownload.eu“. Hoffentlich hat Michael das gecheckt – nicht, dass wir hinterher böse Post bekommen. Aber nein, ist nur so ein Video-Streaming-Portal, puh. 

    Also angeklickt – und ich brauche keine drei Sekunden, bis ich Dich und überhaupt alle Mädchen kurz verstehe: Auch wenn ich aufgedrehte Roadtrip-Girlies sonst anstrengend finde, ist der Moment perfekt eingefangen – die Szenerie stimmt, Musik und Bilder bilden eine Einheit – nur der Heini am Lenkrad stört. 

    Fazit: Was Sheryl alleine nicht geschafft hat, hast Du mit diesem Text vermocht – einen alten Nörgelkopf von der Schönheit dieses Moments zu überzeugen. Danke, Ines!

  2. Was ich an Deinem Text, Ines, so klasse fand: Er hat an ganz vielen Stellen bei mir den Impuls ausgelöst, mich zu äußern. Zu Britney, zu Sheryl Crow, zu Zeiten ohne Internet… Aber ich will es so machen wie Du und „den Weg des familienliebenden Erinnerungsschwamms“ gehen.
    Denn überlagert werden Deine zahlreichen Impulse von einer starken Erinnerung an Disco-Abende mit meiner Schwester. Wir waren damals musikalisch weit auseinander. Während ich zu Metallica, Public Enemy oder Ministry abging, ging sie lieber in Großraum-Discotheken und mochte R’n’B. Nur ganz selten kam es zu musikalischen Überschneidungen – geschweige denn zu räumlichen. „Rhythm Is A Dancer“ mal in laut zu hören – das bewegte mich alle Jubeljahre dazu, mit ihr eine Disco zu gehen.

    Es gibt einen Song, der alle diese Zeit überstrahlt. Den sie mir vorgespielt hat und den ich seitdem als ihren und meinen Song ansehe: „The Best Things In Life Are Free“ von Janet Jackson & Luther Vandross. Darauf konnten wir uns gleich und immer wieder einigen. Für diesen Song haben wir im Auto meiner Eltern gekämpft, damit er ins Tape kam. Wann immer ich ihn höre, überkommen mich nur schöne Erinnerungen. Und vielleicht geht es mir damit dann ja ein wenig wie Dir mit Sheryl Crow.

  3. *@Mikko: ich muss ja dazu sagen, dass mir Sheryl Crow sonst total egal ist. Ich kenne kein anderes Lied von ihr und will es wohl auch nicht. Ich verbinde auch nichts mit ihr. Mir reicht dieser eine Moment völlig aus. Bzw. sind es ja eigentlich zwei: einmal dieses Gefühl der „Wanderlust“ im Film, einmal das Rumgröhlen mit meiner Schwester.

    @Michael: Hachja, das mit den unterschiedlichen Musikgeschmäckern kenne ich nur zu gut. Meine Schwester konnte sich nie wirklich für bestimmte Musik begeistern. Umso wertvoller die Momente, wo wir gemeinsam auf Konzerten waren (1mal?) oder zusammen singend auf der Bühne standen (öfter).

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