Interlude: WM-Songs

Habe ich schon mal erzählt, dass mich Fußball nicht die Bohne interessiert? Okay, ich mag den FC St. Pauli, was aber vor allem was mit linker Gruppendynamik zu tun hat. Aber die Tabelle verfolge ich nur sporadisch und kann gar nicht nachvollziehen, warum man sich das ganze Wochenende in 90-Minuten-Einheiten vor der Glotze verkrümelt. Bei der WM ist das nicht viel anders: Es ist mir total egal, wie Deutschland spielt.

Mich nerven diese schrecklichen Außenspiegel-Kondome in den Nationalfarben, die langsam wieder überall draufgezogen werden. Was ich allerdings immer wieder cool finde, ist die Fankultur – wenn sie mit Popmusik zu tun hat.

Und deswegen finde ich, wir sollten uns hier mal in den kommenden Tagen ein paar Fußball-Popsongs entgegen werfen. Das dürfen gerne die Klassiker sein, wie Baddiel, Skinner und die Lightning Seeds. Oder aber Neuentdeckungen, wie die, zu der ich gleich komme.

Lass uns hier einen Thread eröffnen und alles reinpacken, was uns in den kommenden Tagen dazu einfällt: Uns und allen, die das hier lesen und mitmachen wollen.

Meine schönste Neuentdeckung ist im Übrigen der Track von Mister Santos mit dem selten dämlichen Titel „Das dicke, dicke Ding“. Diese Titel-Wahl passt erstmal zu allen Klischee-Vorbehalten, die ich gegen Fußball-Fans habe. Dann habe ich es aber gesehen und musste erstmal grinsen: Denn hinter Mister Santos verbirgt sich der halbportugiesische Rapper Ju von den Massiven Tönen.

„Der spricht die selbe Sprache wie die in Brasilien“, müssen sich die PR-Menschen bei Mercedes-Benz gedacht haben, als sie ihm den Kompositionsauftrag erteilten. Dann haben sie ihm etwas Kohle für ein hübsches Video, sowie viele schöne Autos übergeben. Also hat er ein paar Rapper-Kumpels und diverse TV-Promis (Fun Fact: Palina Rojinski ist oder war mit Schowi von dem Massiven Tönen zusammen) vor die Kamera geholt.

Da fehlt noch was? Genau, der Song soll schließlich altersübergreifend funktionieren, hat man sich wohl gedacht und den lieben Mister Santos mit ein paar Testimonial-Celebrities zusammengeführt. Anders kann ich mir das Erscheinen von Uschi Glas, Nico Rosberg und Franz Beckenbauer jedenfalls nicht erklären. Doch jetzt kommt das große ABER, denn: Es funktioniert ganz gut. Der Gaga-Refrain klingt gesungen ganz nett und ich bekomme richtig Lust auf den Sommer. Und vielleicht schaue ich mir auch wieder ein paar Spiele an, wenn ich gefragt werde 😉

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Bei mir ist es ein wenig umgekehrt: Hin und wieder schaue ich Spiele im Fernsehen, aber das ganze Fantum um Fußball habe ich nie verstanden. Ich habe extra „Fever Pitch“ von Nick Hornby gelesen, aber auch das hat mir keinen Zugang zur Fan-Kulutr im Fußball geschaffen.

    Daher kommt es wohl, dass mich auch dieses Mal so recht keine WM-Stimmung erreichen will. Obwohl das Turnier einen mittlerweile ja von überall anspringt: Werbung, Nachrichten – und ja, auch Musik. Vor einiger Zeit hörte ich, dass Pitbull und Jennifer Lopez den offiziellen Song zur WM beisteuern würden, was offenbar nicht nur mich schaudern ließ. Aber das war alles nichts gegen dieses absolut fürchterliche und wirklich unfassbar dämliche Lied von Melanie Müller. Ich finde es so grauenhaft, dass ich es hier nicht mal verlinken will – aus Sorge, auch Dir damit den Spaß an der WM zu versauen.

    Ich bin jedenfalls bedient und will so Sachen wie Joachim Deutschland oder Fantasy gar nicht erst hören.

    Bei vergangenen Weltmeisterschaften war das nicht immer so. Da konnte ich Sportfreunde Stiller und sogar „Waka Waka“ nach wochenlanger Dauerberieselung tatsächlich einen gewissen Charme nicht absprechen. Aber dieses Jahr will ich mich glaube ich nicht mal berieseln lassen.

    Stattdessen denke ich wehleidig an eine ganz, ganz, ganz weit zurück liegende WM – 1990. Da habe ich tatsächlich einen WM-Song gekauft. „World In Motion“ von New Order. Klar, auch der trieft vor Patriotismus. Auch hier hört man Fußballer holprig „rappen“. Aber es war New Order. Es war tanzbar. Und so viel cooler als „Wir sind schon auf dem Brenner“ von Udo Jürgens.

    Für Hinweise, die meiner Sicht widersprechen, bin ich dankbar. Und  freue mich trotz aller Vorbehalte auf weitere Anspiel-Tipps zum Thema.

  2. Jetzt habe ich gestern Morgen so sehr über WM-Songs geschimpft – und nur wenige Stunden später kommt „Riskier alles“. 

    http://www.16bars.de/media/12497/riskier-alles-16barstv-premiere/

    Als der Hiphop-Rookie von uns beiden lehne ich mich mal als erster aus dem Fenster und behaupte mal: Der Track ist gut. Ich nicke mit dem Kopf und höre der versammelten All-Star-Crew gern zu. Dazu noch ein paar lustige Cameos im Video. Geht doch… 

    Dass Nike da mitmischen, gibt mir jetzt nicht so viel. Aber das wundert sicher nicht: Schließlich bin ich bin ja auch noch der Sneaker-Rookie von uns beiden 😉

  3. Gestern bin ich auch noch auf einen WM-Song gestoßen, der sich von den ganzen bereits beklagten Sachen abhebt: Dimitri Vegas, Like Mike, Diplo & Fatboy Slim (ft. Bonde Do Role & Pin) haben sich für „Eparrei“ zusammengetan.

    https://www.youtube.com/watch?v=EW_Aag526t4

    Kann ich mir durchaus anhören – und muss dabei gar nicht sofort an Fußball denken.

  4. Pingback: Interlude: Deichkind | 100 Songs

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.