Interlude: Blumfeld

Ich habe jetzt eine Nacht drüber geschlafen, kann aber nicht sagen, dass meine Erregungskurve nach unten abgebogen ist. Es bleibt dabei: Ich finde die Tatsache, dass Blumfeld im Sommer zu einer Reunion-Tour in Original-Besetzung aufbrechen, weiterhin unverschämt.

Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen? Eine Band, die sich immer gegen die Mechanismen der Musikindustrie gewehrt hat, scheint jetzt nach den Mechanismen der Musikindustrie zu arbeiten. Trennung– Reunion. Auf dass die Fans nach Jahre langer Entbehrung freudestrahlend Tickets kaufen. Ein Geschmäckle hat die Sache obendrein, schließlich halten sich die Gerüchte, Jochen Distelmeyer sei solo bislang nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Da liegt es auch betriebswirtschaftlich nah, noch mal in die Mottenkiste zu greifen.

Für mich ist die Reunion-Nachricht somit trotz aller Begeisterung für das Schaffen von Blumfeld kein Anlass zur Freude. Im Gegenteil: Ich fühle mich schon ein wenig veräppelt, schließlich habe ich 2007 der Band mein Geld für eine „Abschiedstournee“ überreicht. Und konnte dort – nach einigen schwierigen Jahren – meinen Frieden mit Blumfeld schließen. Und jetzt kommen die einfach wieder…

Ich weiß, dass Blumfeld schon 1994 das Verhältnis zu ihren Fans thematisiert haben. „Vergiss die Lieder die ich spiel, die hatten nie etwas zu tun mit Dir“, sang Jochen Distelmeyer damals in „Superstarfighter“. Diesem Statement möchte ich eine Zeile aus dem Song entgegnen, den ich erst vor wenigen Wochen von Blumfeld für 100songs.de ausgewählt hatte: „Gebt endlich auf, es ist vorbei.“

Oder findest Du das jetzt übertrieben?

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Geht mir alles genauso. Ich erinnere mich noch genau an das Abschiedskonzert in Köln.

    Gut, dass ich da war. Auch gut, dass es vorbei war.

    Und nun muss man sich nach Jahren überlegen, ob man nicht doch wieder hingehen
    möchte/muss.

    Ich glaube nicht. Oder…?

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