Interlude: Afrob

Bevor ich Dir dieses Video zeige, muss ich mal etwas ausholen. Denn für mich funktioniert es nur im Kontext.


Kennst Du eigentlich O.D.B.? Den Ol‘ Dirty Bastard, also den (besonders) verrückten vom Wu-Tang Clan, den leider bereits 2004 das Zeitliche segnete?

O.D.B. konnte man 1995 als Rap-Fan einfach nicht schlecht finden: Er war crazy, er war wild und er hatte verdammt gute Skillz. Seine beiden Singles „Shimmy Shimmy Ya“ und „Brooklyn Zoo“ sind wesentliche Landmarken dieser Golden Era, als New Yorker Rapmusik den ganzen Spaß auf ein ganz neues Level hob…

Und kennst Du Afrob? Der deutsche Rapper ist sicherlich einer der umstrittensten seiner Zunft in Deutschland. Umstritten gar nicht so sehr wegen seiner musikalischen Qualitäten, sondern vor allem wegen seiner wandelhaften Vita.

Bekannt wurde er in den 90er Jahren im Umfeld der (politisch linken) Stuttgarter Kolchose-Rapper Massive Töne und Freundeskreis. 1999, als Deutschrap gerade seinen vorläufigen Zenit-Punkt erreicht hatte, veröffentlichte er beim frischgegründeten Fanta4-Label sein Solo-Album „Rolle mit HipHop“. Damals unterhielt ich mich in einer Hotel-Suite mit ihm darüber, wie furchtbar ungerecht die staatliche Polizeigewalt in seiner schwäbischen Heimat sei. „CDU-Wähler“ gebrauchte er in einem Track als Schimpfwort.

Zu der Zeit lief es ganz gut für ihn: Im selben Jahr rappte er gemeinsam mit den Rap-Ikonen Flavour Flav von Public Enemy und Grandmaster Flash, sowie MC René auf DJ Tomekks HipHop-Hymne „1, 2, 3 Rhymes Galore (From New York to Germany)“. 2003 machte er zusammen mit Samy Deluxe von sich Reden, als sie zusammen als ASD ein paar veritable Party-Hits raushauten.

Als die Aggro-Ära begann, wurde es stiller um Afrob. Obwohl seine Rap allgemein als hart gelten, hatte er nichts mit den frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Reimen der damaligen Protagonisten gemein. Stattdessen bekannte er sich als CDU- und Merkel-Unterstützer und sorgte in einem Interview mit antisemitischen Thesen für Verwirrung und Ärger in der Szene. Auch wenn er das später versuchte, richtig zu stellen, blieb bei mir ehrlich gesagt seitdem immer ein Geschmäckle kleben und ich mochte mich gar nicht für ihn oder seine Releases interessieren.

Nun steht ein neues Album an und er hat vorab ein One-Take-Video veröffentlicht, das ich mir seit zwei Tagen gerne ansehe. Der Track ist eine Hommage auf einen der beiden großen Hits von O.D.B. – und ich finde ihn wirklich gelungen. Das ist Rap pur!

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