Interlude: Jan Delay

Ich will es ja gut finden. Nichts wäre schlimmer, als wenn Jan mit dieser Platte alles kaputt macht, was seine Lieder in den letzten 21 Jahren bei mir ausgelöst haben. Wirklich, ich habe richtig Lust auf neue Musik von ihm. Aber mit dem, was ich bislang gehört habe, habe ich da so meine Zweifel dran.

Jetzt singt Jan über „Liebe“, aber ich fühle es nicht. Natürlich hat jedes Genre eine Seele, aber bei Rock ist das noch etwas spezieller: Rock ist etwas völlig anderes als Rap und Funk. Das kann man nicht so einfach in ein paar Monaten adaptieren. Bei Rock möchte ich spüren, dass der Künstler es 1000 % ernst meint. Ich will Garagen-Proberaum-Atmosphäre, ich will in seiner Vita viele vergebliche Auftritte vor 10 Besuchern spüren, ich will eine Entwicklung des Sounds erleben.

Was ich nicht will, ist einen Künstler, der bereits ein großes Publikum hat, dem er einfach irgendetwas vorsetzt. Und genau das passiert hier. Denn natürlich werden die großen Hallen im Herbst gefüllt werden und ganz sicher geht Jan mit dieser Platte mindestens im April in der ersten Woche auf die 1. Er weiß inzwischen eben eine kritische Masse hinter sich und deswegen wird es kommerziell nicht floppen. Vermutlich kommen sogar noch ein paar neue Fans dazu.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich gerade jemanden bei der Selbst-Demontage seines Status zusehe. Das ist sehr schade. Ich bin kein Ewiggestriger, der jetzt glaubt, von „seinem“ Künstler eine neue Rap-Platte fordern zu dürfen. Ich mag halt seine Musik und hätte gerne neue Lieder zum Flashen. Und deswegen werde ich mir alles ein paar Mal genau anhören, bevor ich darüber mein endgültiges Urteil abgebe. Aber momentan fühlt es sich einfach etwas mau an. Oh Janni.

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  1. Für jemanden wie mich, der schon lange nichts Großes mehr von Jan Delay erwartet, wäre es jetzt ein Leichtes, nach „Wacken“ auch „Liebe“ zu zerlegen. Da ich vor gut einem Jahr aber auch von der Sorge getrieben war, ob meine langjährige Lieblingsband meine Erwartungen erfüllen könnte, halte ich mich zurück. Diese Ungewisssheit ist schon Nerven zehrend, da will ich nicht noch Öl ins Feuer gießen. Stattdessen möchte ich Dir sagen: Du bist nicht allein. Vielleicht tröstet es Dich, dass es anderen Delay-Fans mit „Liebe“ auch auch so geht wie Dir. Unsere Kollegin vom Flötenfrosch zum Beispiel hadert auch mit Jan Delay. Das macht das alles nicht besser. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben: Vielleicht kommt mit „Hammer & Michel“ ja doch noch eine Überraschung, die uns allen dreien gefallen wird.

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