Interlude: Coldplay

Wenn Coldplay einen neuen Song veröffentlichen, bin ich doch immer wieder neugierig. Ihr Debütalbum „Parachutes“ halte ich für eine tolle Platte. Meine anfängliche Begeisterung nahm allerdings mit jeder ihrer Platten weiter ab. Bis Coldplay mir am Ende nur noch auf den Zeiger gingen. Aber jetzt haben sie mich doch mal wieder gepackt. „Midnight“ ist eine Überraschung – und das nicht nur, weil der Song heute so mir nichts, dir nichts im Netz auftauchte.

Trouble“, „Yellow“, „We Never Change“ – „Parachutes“ ist voller großartiger Songs. Zu Coldplays Anfangszeiten habe ich sogar die B-Seiten gesammelt. „Careful Where You Stand“ etwa – unfassbar schön. Aber schon das nächste Album, „A Rush Of Blood To The Head“ nahm mich nicht mehr richtig mit. Klar, die Singles waren alle noch okay. An „In Your Place“ habe ich eine schöne Erinnerung. Von „Clocks“ habe ich sogar die Maxi mit dem Röyksopp-Remix für im Grunde genommen viel zu viel Geld bei ebay ersteigert. Aber die Version ist auch zehn Jahre später immer noch prima.

Mit „X&Y“ aber war für mich Schluss. Nahm ich die Referenzen an U2 und Kraftwerk erst noch belustigt zur Kenntnis, fand ich das ganze Gehabe der Band im Grunde aber over the the top. Diese Kostümierungen, das Pathos, das Pompöse… Ich wollte doch einfach nur gute Songs von Coldplay, aber die wollten lieber wie Bono & Co auftreten. Das war nicht meins.

Und doch: Wenn sich etwas Neues von Coldplay ankündigt, hoffe ich doch jedes Mal wieder, es könnte so wie früher werden. Und mit „Midnight“ fühlen sich Coldplay wieder gut an. Sicher: Das ist jetzt sicherlich kein Hammersong, der einen mit einem tollen Refrain aus den Socken haut. Und der Vocoder-Einsatz ist ja auch nicht wirklich kreativ. Aber es ist eine deutliche Entwicklung weg von den Zirkusnummern, mit denen sich Coldplay in den vergangenen Jahren inszeniert haben. Die U2-Gitarre fehlt, es ist viel elektronischer und nimmt zum Ende hin sogar etwas Fahrt auf. Es ist für Coldplay-Verhältnisse eher zurückgenommen, aber dennoch sehr atmosphärisch. Mir gefällt’s.



Davon hätte ich dann zunächst gern ein paar elektronische Remixe – und später im Jahr auch ein Album, das diesen Weg weitergeht. Kannst Du dem was abgewinnen?

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich mochte Coldplay mal für einen kurzen Moment – das war zu der VÖ ihres zweiten Albums „A Rush of Blood to the Head“ und den damit verbundenen Single-Auskopplungen. „Parachutes“ hatte ich irgendwie verpennt, da mein Radar im Jahr 2000 noch überhaupt nicht in Richtung BritPop ausgerichtet war.

    Im Sommer 2003 fing ich dann ein Praktikum in einer Kultur-Redaktion an. Am zweiten Morgen saß ich in der Themen-Frühkonferenz und wir beratschlagten, ob man über die Verleihung der MTV Video Music Awards in New York berichten sollte. Alle drucksten nur so herum, weil sie keinen europäischen Zugang zum Thema erkennen konnten. Ich schaute kurz auf die Agentur-Meldungen und sah: Lifetime Award für Duran Duran. Drei Awards für Coldplay. Völlig unbedarft warf ich meine Meinung in den Ring – denn ich war mir sicher, dass die Kollegen, diese Namen einfach nur überlesen hatten. Doch als Antwort kam stattdessen: „Wer issn Coldplay?“

    Mit genau dieser Situation verbinde ich die Band bis heute. Und leider muss ich Dir voll zustimmen, dass die Tonträger von Mal zu Mal mauer wurden (und dafür aber jedes Jahr ein wenig mehr von besagten Redakteuren gefeiert wurden…) Doch mit dem Maße, mit dem zunehmend Chris Martins Privatleben und nicht mehr seine Musik die Schlagzeilen bestimmten, genau mit diesem Maße wurden Coldplay für mich immer uninteressanter. War „Viva La Vida“ schon sehr schlimm, ist „Paradise“ für mich das personifizierte Böse. Da ist einfach alles falsch dran, was an dieser Band mal gut war.

    Und nun also „Midnight“. 

    Tja, das klingt für mich zunächst sehr nach James Blake und anderen halbjungen Wilden. Coldplay feigen Kopimismus vorzuwerfen, ist natürlich nicht ganz fair – aber irgendeine Assoziation läuft natürlich immer sofort los, wenn man neue Musik hört. Für meinen Geschmack ist der Song etwas zu schleifend und bremsend. Aber vom Ansatz her grundsätzlich interessant, wenn man weiß, was sie sonst alles in den letzten zehn Jahren verbrochen haben. 

    Ich weiß zwar nicht, ob ich in alle Remixe reinhören werde, aber das Album werde ich mir in jedem Fall mal geben.

  2. *Ich bin ja sonst echt wählerisch, aber Coldplay kaufe ich komischerweise alles ab. Vielleicht liegt es daran, dass ihr Auftritt bei Rock am Ring 2012 so fantastisch war, dass ich selbst die neuen Sachen zu schätzen lernte. „Midnight“ finde ich etwas langweilig, aber vermutlich wird das für mich wieder so ein „Grower“.

  3. Pingback: 76/100: Homecoming | 100 Songs

  4. Pingback: Interlude: Jahresabschluss | 100 Songs

  5. Pingback: Interlude: Jakob Mayer | 100 Songs

  6. Pingback: Interlude: Coldplay | 100 Songs

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.