Interlude: Boys Noize

Zu Boys Noize habe ich eigentlich ein ambivalentes Verhältnis. Aber irgendetwas ist dran an dem Sound von Alex Ridha, das mich immer wieder dazu verleitet, seine neuen Tracks anzuklicken. Erst recht, wenn es eine so waghalsige Mischung wie diese ist: harter Elektro-Sound trifft auf Snoop Dogg.

Wie so viele Elektronik-Acts ist Boys Noize mir zum ersten Mal als Remixer eines Depeche-Mode-Songs begegnet. Anlässlich des „Best Ofs“ von 2006 hat Alex Ridha „Personal Jesus“ bearbeitet. Ich konnte mit der Version nicht viel anfangen – zu knarzig, zu zerfahren, zu gewollt. Aber immerhin ein eigenständiger Sound. Also so merkte ich mir den Namen.

Und siehe da: Zwischen all den Tracks, die ich seitdem von Boys Noize gehört habe, waren auch immer wieder mal welche, die mir gefielen. Die „Go Hard“-EP zum Beispiel oder „Astral Projection“. Den „Axis“-Remix, den Ridha für die Pet Shop Boys produziert hat, fand ich wiederum zu harmlos.

Und nun lese ich also den Namen Boys Noize in Kombination mit Snoop Doog. Ich halte das für eine waghalsige Kombination. Muss aber sagen: eine, die für mich funktioniert. Reduziert, sperrig – aber reizvoll.


Boys Noize – Got It feat. Snoop Dogg on MUZU.TV.

Wie klingt das für einen HipHop-Kenner wie Dich?

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. *Oh Gott, ich habe echt lange kein Boys Noize mehr angespielt und wenn ich das so höre, lasse ich es wohl auch in Zukunft bleiben…

  2. In manchen Kreisen gilt Snoop Dogg ja als eine Art gottgleiche Clown-Erscheinung. Seine Vergangenheit als „G“ mit Mordanklage nimmt keiner mehr so richtig ernst, genauso wenig wie die Porno-Produzenten-Phase. Andererseits bleiben selbst hartgesottene HipHop-Heads in ihren XXXXL-Hochglanz-Trainingsanzügen cool, wenn sich Calvin Broadus plötzlich Snoop Lion nennt und einen auf Roots Reggae macht.

    Snoop ist einfach der lustige Onkel, dem man selbst verzeiht, wenn er beim Weihnachtsfest Oma angetrunken schmutzige Witze erzählt. Kein Witz, der darf sowas. So ungefähr jeder Journalist – egal ob Rap-Fanzine oder Feuilleton – schreibt nach 15-minütigen Interview-Gelegenheiten mindestens einen Absatz über den Weed-Konsum von Calvin Broadus. Und zwar nicht abschätzig, sondern ehrfürchtig. Vielleicht auch, weil die meisten nach einer Viertelstunde komplett Kontakt-stoned sind, wer weiß.

    Warum ich das schreibe? Nun, der Snoop nimmt eben alles mit, was ihn so in seiner Entertainment-Laufbahn entgegen kommt. Ich erinnere nur daran, wie sich ein nahezu unbekannter Mannheimer Lauch vor einiger Zeit ein Snoop-Feature für angeblich 50.000 Euro kaufte. Das wäre in etwa so, als würde der Dschungelcamp-Sohn von Uwe Ochsenknecht plötzlich mit Jack White eine unplugged Jam Session aufnehmen. Doch trotz der Unerträglichkeit dieses Stücks „Musik“ war Snoop der einzige, der bei dieser Geschichte keinen Image-Schaden nahm.

    Und vor solchen Vorzeichen wirkt die Kollaboration mit Boys Noize tatsächlich wie eine Frische-Kur.  Okay, ich musste das Stück zunächst drei Mal hören, bevor ich es verstanden habe. Aber die Actionfilm-Fanfaren am Anfang sind schon cool und gehen gleich rein. Und auch das abgef..kte Low Budget-Video spricht einmal mehr dafür, dass SNOOP es perfekt versteht, alle Stile und Szenen elegant für sich zu adaptieren und die gewünschte Rolle abzuliefern. Inwiefern sich Boys Noize treu geblieben ist, musst Du mir sagen. Ich kann nur abschließend rufen: Yeah Dogg, Du bist einfach eine Marke!

  3. Pingback: Interlude: Octave Minds | 100 Songs

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