Interlude: Lily Allen

Spätestens seit „Hard Out Here“ bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ läuft, kann man sagen: Lily Allen ist zurück. In England hatte sie sich ja schon zu Weihnachten zurückgemeldet, hier sorgt sie mit ihrer neuen Single für eine beachtliche Medien-Präsenz. Und das freut mich.

Ich fand es ein wenig schade, als Allen nach ihrem zweiten Album (vielleicht etwas übereilt) den Rückzug vom Popgschäft verkündet hatte. Ich mochte schon das Debütalbum „Alright, Still“ mit „Smile“ ganz gern. Den Nachfolger „It’s Not Me, It’s You“ fand ich richtig klasse. Tolle Songs, witzige Texte, großer Pop. Auch wenn Allen nicht unumstritten ist: Dass damit Schluss sein sollte – ich hätte es schade gefunden.

Umso schöner, dass Lily Allen den Faden wieder aufgenommen hat, wo sie ihn 2009 hat liegen lassen.

„Hard Out Here“ ist mindestens so gut wie „The Fear“ und lässt mich gemeinsam mit dem weiteren neuen Song „Air Balloon“ auf eine erneut schöne Popplatte hoffen.

Gehörst Du zu denjenigen, die Lily Allen für eine Nervensäge halten?

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ach Lily, was hast Du mir gefehlt. Die ganze Aufregung um Dein Video verstehe ich allerdings überhaupt nicht – genauso wenig wie Deine von Ines zitierte Verteidigungsrede/ Stellungnahme bei Twitter.

    Denn: Lily Allen hat sich von Anfang an klar als Kunstfigur inszeniert und eben alle dafür wichtigen Hebel im Pop-Business umgelegt.

    Lily Allen, die wollte durch ihre Black Music-Sound-Auswahl und ihren Akzent ein wenig Straßen-Kredibilität beweisen. Dazu kam ein wenig MySpace-Münchhausen-Syndrom (damit meine ich die Legende, dass sie angeblich zuerst im Online-Portal Tausende Fans hatte und dadurch erst von ihrer Plattenfirma entdeckt wurde). Und natürlich die Inszenierung als spätpubertierende Rebellin auf den Spuren der Spice Girls (harmloser geht’s ja wohl nicht). Das alles verbunden mit einer Ikonisierung als modernes Girlie, das wiederum scheinbar alle Girlie-Klischees bricht (was man aber erst auf der vierten oder fünften Reflektionsebene so richtig deuten kann, was ja wiederum gut ist, weil das ja einen intellektuellen Pop-Diskurs in der Fachpresse ergeben hat).

    Vor allem hat sie aber viele schöne Lieder gesungen – da kann ich Michael nur beipflichten. Und ihr neuer Song ist ja auch wieder gut geworden.

    Aber: Fühlt sich denn im Jahr 2014 wirklich jemand ernsthaft beleidigt, weil da ein in afroamerikanischen Kreisen aktuell beliebter Modetanz zitiert wird? Oder denkt wirklich jemand darüber nach, dass es rassistisch wäre, dazu passende Tänzerinnen für das Video anzumieten? Entschuldigung, aber wo genau ist mein Denkfehler?

    „Lily Allen has a baggy pussy“. Wenn man nicht gerade bei einem Sender arbeitet, der sich an US-puritanische Broadcasting-Leitlinien halten muss, denkt man doch wirklich nicht mehr ernsthaft über sowas nach. Da müsste schon was ganz anderes auf dem Ballon-Bild stehen. Das ist lediglich – wie Ines sehr schön nachgewiesen hat – ein abgewandeltes Pop-Zitat.

    Natürlich hebt sich Lily Allen optisch von ihren Tänzern ab. Muss sie doch auch: Sie ist schließlich der Main Artist in dem Video. Ich dachte ja eigentlich, die Debatte um leichtbekleidete Künstlerinnen hätten wir mit Madonna weit hinter uns gelassen. So weit, dass nicht mal mehr Lady Gagas Garderobe für was anderes als ein gelegentliches Entzücken aller Gender Studies-Vertreter taugt.

    Lily Allen ist purer Pop. Und ihre Outfits sind im YouTube-Zeitalter noch egaler als damals für uns MTV-Junkies. Weder mit Po-Wackel-Statisten in Bikinis noch mit vermeintlich wollüstigem Felgenreiben im Lackmantel lockt man heute noch Pubertisten vor den Rechner. Für deren Klick muss schon der Groove stimmen. Und das tut er ja zum Glück.

    Wenn die Künstlerin meint, sich neben ihren halbnackten Victoria’s-Secret-meets-Soho-Models hochgeschlossen im halbtransparenten Gothic-Outfit zu präsentieren, weil ihre Zellulite angeblich so hässlich ist, dann spricht das nur gegen ihr medial vermitteltes überkrasses Selbstbewusstsein. Außerdem unterschätzt sie offenbar die Fähigkeiten von gängigen After Effects-Programmen 🙂

    Doch zurück zur Musik: Ich finde es nämlich viel interessanter, wie es Lily Allen es mal wieder schafft, ernsthafte Inhalte in zuckersüße Pop-Melodien zu gießen. Das macht es nämlich äußerst angenehm, ihr zuzuhören. Und sicherlich auch, ihre Musik jüngeren Menschen guten Gewissens weiter zu empfehlen. Denn natürlich kann es sein, dass ich mich einen Absatz zuvor geirrt habe. Und wenn es womöglich wirklich so ist, dass sich Millionen verwirrte Teenie-Seelen an Rollenbildern aus Südstaaten-Rapvideos orientieren, dann ist Lily Allens ironisch gebrochene Kritik natürlich umso begrüßenswerter. Denn dadurch, dass sie im Clip immer wieder etwas Slapstick und Humor aufblitzen lässt, ist ihre Ironie meines Erachtens ausreichend als solche markiert. Da bräuchte ich eigentlich von der Künstlerin keine Rechtfertigungs-Statements.

    Immerhin hat ihr Clip für eines gesorgt: Ich habe mich mal wieder ein paar Absätze lang über Musikvideo-Interpretationen auslassen dürfen. Und das ist ja eigentlich auch eine schöne Sache. Danke, Michael!

  2. Pingback: Interlude: Jahresabschluss | 100 Songs

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