Interlude: Jan Delay

So, da isse nun, die neue Single von Jan Delay. Ich war wirklich sehr skeptisch – nicht, weil ich keine Rockmusik mögen würde. Vielmehr hatte ich befürchtet, dass Jan sich in diesem ihm artfremden Genre verirrt. Denn seien wir mal ehrlich: Reggae, Electro und Soul sind im Vergleich zu Rap sicher keine artfremden Sounds. Doch für eine Rockplatte bedarf es meines Erachtens einen Spirit, den man nicht ohne Weiteres adaptieren kann.

Doch das klingt alles ganz rund.

Auch von der ästhetischen Umsetzung her bin ich einigermaßen überrascht. Denn zu gut waren mir noch Jans Adaptionen von MC Fitti- und Laing-Texten zum Sound der Beastie Boys und Rage against the Machine bei der Verleihung der 1Live-Krone in Erinnerung. Dieses Mash-Up-Prinzip hatte zwar bei Jans Interpretation von Bos „Türlich türlich… sicher Dicker“ zum Sound von Cameos „Word Up“ super funktioniert. Doch was er da im Dezember in Köln zum Besten gab, war einfach zu naheliegend und zu plump: Diese teilweise so großartigen Vorlagen funktionierten für sich allein gut genug. Da brauch ich nicht noch so einen Spacken, der näselnd drüber rappt. Und schon gar nicht, wenn die Sportfreunde Stiller so Schülerband-mäßig die Instrumentierung geben.

Doch das ist nun mit „Wacken“ Schnee von gestern: Jans Vorab-Single zum im April erscheinenden Album „Hammer & Michel“ ist schlüssig produziert, die Geschichte gut erzählt – und Wacken funktioniert nun einmal wunderbar als Sinnbild für Transformationen von etablierten Karrieren: Scorpions, Heino… – warum also nicht auch Janni?

Also noch einmal: Herr Eißfeldt macht seine Sache sehr gut. Das liegt auch daran, dass er zu den Künstlern gehört, die sich für ihre Musik viel Zeit nehmen: Schließlich liegt sein letztes Album „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ bereits viereinhalb Jahre zurück. Doch die scheint er nicht (nur) zum Kiffen genutzt zu haben, sondern für die Perfektionierung seines Sounds. Bring it on, Dude!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ein junger, talentierter und schlauer Kopf knöpft sich ein zum Klischee verkommenes Genre vor. Jan Dely macht Rock. Das hätte klasse werden können. Meine Erwartungen werden mit „Wacken“ aber nicht erfüllt. Das klingt immer noch einer Top40-Band, die sich eben nicht mehr Cameo, sondern Robert Palmer in seiner „Addicted To Love“-Phase vorknöpft. Und das Video unterstützt mich in der Wahrnehmung, dass Jan Delay auch hier nicht authentisch in dem Genre ankommt, das er vermutlich würdigen will. Wie ein Pfau stolziert in einer ihm fremden Welt und macht sich im Laufe seines Festival-Tages nicht mal die Hände schmutzig. Bei seiner Ankunft in Wacken wirkt er auf mich eher wie der hermetisch abgeriegelte Ratzi im Papamobil als wie jemand, der endlich dort angekommen ist, wo er schon immer sein wollte. Da werden ein Ort und zehntausende Menschen mal eben zu Statisten degradiert. Hätte Heino nach seinem Auftritt in Wacken eine solche Hymne verfasst – ich hätte es ihm abgenommen. Hier aber wirkt das auf mich beliebig – erst recht, wenn man bedenkt, dass Jan Delay sich ja auch schon mal dagegen gesträubt hat, dass man seine Lieder singt.
    Das soll hier aber kein Abgesang werden: „Hammer & Michel“ kann ja durchaus noch ein paar Perlen enthalten. „Wacken“ ist für mich aber keine.

  2. Pingback: Interlude: Metallica (Update) | 100 Songs

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