Interlude: Jahresabschluss (Teil 2)

Nachdem Mikko vorgelegt hat, kommt hier nun auch mein Jahresrückblick 2013. Der zeigt unter anderem, wie unterschiedlich wir Musik wahrnehmen wie wir uns hier ergänzen – etwa beim Album des Jahres. Und dass mir die Mütze näher ist als die Schuhe. Und meine Hoffnung 2014 auf alten Männern ruht.

1. Lieblingssong des Jahres

Das finde ich immer schwer. Zumal es dieses Jahr wirklich viele gute Songs gab – wie unsere kleine Sommerumfrage schon gezeigt hat. Ein Song? Wirklich nur einer? Ich könnte mich mit etwas Mühe auf eine engere Auswahl durchringen: „Watch Out For This“ von Major Lazer, „Vocal“ von den Pet Shop Boys, „Reload“ von Sebastian Ingrosso und „Rival Dealer“ von Burial. Lass mich kurz überlegen….

2. Lieblingsalbum des Jahres

Ich höre Alben in den seltensten Fällen komplett durch. So etwas wie „Meine 25 Alben des Jahres“ würde ich gar nicht hinkriegen, einfach, weil ich so viele Alben gar nicht im Jahr höre. Das ist nicht erst seit der Einführung von MP3s oder iPod so. Das war auch schon so, als ich kalkulieren musste, welche Songs es von einer LP auf eine Cassette mit jeweils 45 Minuten pro Seite schaffen. Ich skippe also durch und bleibe entweder an etwas Interessantem hängen (ergo: aufnehmen/speichern/Vier-Sterne-Wertung). Oder nicht (ergo: vergessen). Für ganze Alben am Stück fehlte mir früher oft der Platz, dann die Zeit. Ich bin ein Single-Track-Mann geworden. Oder Single-File-Mann. Ich finde es vielleicht sogar spannender, mir mehrere Remixe eines einzigen Songs anzuhören, als das ganze Album eines Künstlers. Auch Compilations finde ich oft spannender als ganze Alben von einem Künstler/einer Band. Es gab aber in diesem Jahr auch Ausnahmen von dieser Regel, also Platten, die ich vermutlich zumindest einmal komplett durchgehört habe. Dazu gehören „Delta Machine“ von Depeche Mode, „Electric“ von den Pet Shop Boys, „The Great Escape“ von Claire, „Kiss Land“ von Weeknd, „Random Access Memories“ von Daft Punk, „13“ von Black Sabbath, „Settle“ von Disclosure. Aber nicht mal hier könnte ich ruhigen Gewissens behaupten, wirklich jeweils jeden Song von Anfang bis Ende gewürdigt zu haben. Wenn ich mich trotzdem für eine Platte in ihrer Gesamtheit entscheiden müsste – es wäre Daft Punk. Weil es ganz viele meiner Vorlieben auf charmante Art abdeckt. Also eigentlich eine Compilation ist. Wenn auch mit ein bisschen viel Vocoder.

3. Flop des Jahres

Von Dizzee Rascal und Robbie Williams war ich schon sehr enttäuscht. Ich halte Williams für einen wirklich begnadeten Texter. Vor diesem Hintergrund finde ich „I can’t figure out why so I just scream and shout – I believe in going crazy“ als Refrain dann doch recht dürftig. Und Dizzee Rascal hat in der Vergangenheit ein paar wirklich tolle Tracks veröffentlicht. „Going Crazy“ aber ist Langeweile pur. Nicht mal der Beat des Songs nimmt mich mit. Immerhin scheinen sich die Herren wenigstens für das Video ein paar interessante Gedanken gemacht zu haben – auch über die seltsame „Megaupload“-Promo zu Beginn hinaus.

4. Lieblingskommentar/ -zitat bei 100 Songs

Als ich für diesen Punkt in mich gegangen bin, fiel mir das „Road Trippin‘“-Posting ein. Ich weiß noch, wie ich beim Lesen von der Wendung umgehauen wurde, dass Du nach Asien gereist bist. Und wie gut der Song zu der Geschichte passt. Als ich das Posting jetzt nochmal aufgerufen habe, habe ich gesehen, dass Du Deinem Text sogar ein Kerouac-Zitat vorangestellt hast: “I was a young writer and I wanted to take off. Somewhere along the line I knew there’d be girls, visions, everything; somewhere along the line the pearl would be handed to me.” Zufälle gibt’s…
Aber auch Deine Behauptung, dass jeder Reggae mag, hat mich beschäftigt. Und dann ist da noch diese Frage, die Du mal gestellt hast:

„Aber im Ernst, wie viele Songs Deiner Lieblingssänger kennst Du, bei denen ein Externer, der nicht zusammen mit den Künstlern im Studio ein Stück Kunst erarbeitet hat, eine hörenswertere Variante produziert hat?“

Darüber müssen wir noch mal reden.

5. Geheimtipp/ Hoffnung für 2014

Naja, meine Hoffnungen ruhen auf Metallica. Zum einen wäre es echt mal Zeit für eine neue Platte. Zum anderen werde ich die Band im Sommer zum ersten Mal live sehen. Ich habe Metallica ja recht spät für mich entdeckt und hatte mich eigentlich schon damit angefunden, die Band niemals live sehen zu können – einfach weil ich mich zu „Rock am Ring“ nicht überwinden kann. Als sich dann aber abzeichnete, dass Metallica im Sommer 2014 auch in Hamburg (mehr oder weniger) allein auftreten, habe ich mir schnell ein Ticket besorgt. Dass ich außerdem noch die Setlist mitbestimmen darf, ist nett – mit meinen Wünschen werde ich mich aber wohl nicht durchsetzen können. Dafür ist die Fraktion der Greatest-Hits-Fans offenbar zu stark. Aber immerhin: Ich werde aller Voraussicht nach auf meiner Lebens-To-Do-Liste den Punkt „Metallica-Konzert“ abhaken können.

6. Bestes Erlebnis des Jahres

Es gab viele tolle Erlebnisse dieses Jahr. Viele davon haben mit dem Blog zu tun. Als zum Beispiel der Gastbeitrag von Dirk Duske per Mail ankam und ich ihn zum ersten Mal las: Ich hatte eine Gänsehaut, weil der Text so haargenau meinen Vorstellungen und Erwartungen entsprachen. Ein Gefühl von „Auf einer Wellenlänge“. Herrlich. Oder der Moment, als ich 100songs.de auf der Tonspion-Liste empfehlenswerter Musikblogs wiederfand. Oder als Purple Schulz, den ich kurz zuvor mit „Ohne Mich“ abgefeiert hatte, sich als Leser outete… Da waren viele schöne Momente dabei. Dafür mal ein Danke an alle, die dazu beigetragen haben.

7. Konzert des Jahres

Ich gehe ja nicht mehr auf viele Konzerte. Der Rücken, die Uhrzeiten, die Anfahrt… Ausreden habe ich viele. Immerhin: Die beiden Konzerte, auf denen ich dieses Jahr war, waren beide auf ihre Art gut: Depeche Mode und Purple Schulz.

8. T-Shirt des Jahres / Sneaker des Jahres Kleidungsstück des Jahres

Ich kaufe im Jahr maximal ein Paar Schuhe. Und auch sonst habe ich mich dieses Jahr klamottentechnisch zurückgehalten – Investitionen habe ich auf anderem Gebiet getätigt (siehe Punkt 11). Von den wenigen Sachen, die neu in meinem Kleiderschrank sind, ist mir eine graue Carhartt-Mütze am meisten ans Herz gewachsen. Ach so, nach Mützen wird hier gar nicht gefragt? Egal: Ich erweitere die Kategorie mal eben eigenhändig auf „Kleidungsstück des Jahres“, damit meine Antwort passt.

9. Bestes Video des Jahres

Bestes Video… Bestes Video… Da fällt mir spontan Naughty Boy ein. Weil es mich an einen meiner Lieblingsfilme erinnert.

10. Musikentdeckung, die ich ohne Mikko nicht gefunden hätte

Ganz spontan: Grim104. Wobei das natürlich ungerecht ist, schließlich ist das Posting noch recht frisch und somit weit vorn in meinem Gedächtnis abgelegt. Wenn ich mich durchs Archiv wühle, bleibe ich bei Massive Töne hängen. Deutscher Hiphop ist eigentlich ein Genre, das ich seit vielen Jahren nicht mehr intensiv beobachte. Umso mehr freue ich mich über angenehme Überraschungen. „Nichtsnutz“ und „Das und Dies Remix“ gehören definitiv dazu.

11. Die sinnloseste/irrsinnigste Anschaffung des Jahres

Ich habe mir dieses Jahr einen lang gehegten Wunsch erfüllt und eine DJ-Konsole von Native Instruments gekauft. Seitdem ich 2010 mit Traktor eine Software gefunden hatte, mit der ich das digitale Auflegen ganz nach meinen Vorstellungen umsetzen kann, kreisten meine Gedanken gelegentlich um die Anschaffung der dazu passenden Hardware. Der Preis war mit 799 Euro aber immer so weit über meinem Budget, dass daraus nie eine konkrete Idee wurde. Aber dann kam das:

Es fiel mir in der Folge immer schwerer, den Wunsch nach der Konsole zu unterdrücken. Ich fing an, mein Erspartes zusammenzukratzen und freundete mich mit der Möglichkeit einer 0-Prozent-Finanzierung an. So kam es dann, dass ich an einem Samstagmorgen im Juli einer der ersten Kunden im Music Store in Köln war und die Kontrol S4 kaufte. Und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil: Als Tüpfelchen auf dem i habe ich mir jetzt auch noch eine Disco-Kugel und ein Stroboskop gekauft. Und kann – wenn ich die Installation in der Schräge des dafür vorgesehenen Zimmers hinbekomme und unverletzt überstehe – künftig bei schönem Licht Songs ineinandermischen.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich würde sagen: 2014 wird wieder spannend – bei so vielen unterschiedlichen Einflüssen. Und über Daft Punk reden wir noch mal, ja… 😉

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