Interlude: Jahresabschluss

Wie es sich für einen anständigen Musikblog gehört, gibt es auch bei uns ein 2013-Resümee. Was war super, was war es nicht? Was hat uns überrascht und beschäftigt, was hat ordentlich Zeit verbrannt und tut es vielleicht immer noch? Wenn Euch so etwas auch interessiert, dann seid Ihr hier genau richtig!

1. Lieblingssong des Jahres

Ich muss sagen, dass ich in diesem Jahr wirklich sehr viele gute neue Songs gehört habe: 2013 war ein unerwartet starkes Jahr. Unerwartet, weil ich mit zunehmendem Alter immer häufiger Ermüdungserscheinungen bei mir feststellen kann. Natürlich bin ich überhaupt nicht frei von Gedanken, wie „Klingt so wie…“, „Boa, das hat der XY doch anno dazumal schon besser gemacht“ oder „Was soll das denn bitteschön?!“. Dank Spotify und YouTube habe ich allerdings absolut unkompliziert in so viele verschiedene neue Künstler reinhören können, dass ich irgendwie immer was Tolles finden konnte. Ein Song, den ich besonders gut fand, weil er sehr kreativ durchstrukturiert und äußerst emotional war, ist „Radioactive“ von Imagine Dragons. Der Song ist zwar aus dem Vorjahr, aber das hat mich 2013 nicht gestört.

Imagine Dragons „Radioactive“ music video from Syndrome Studio on Vimeo.

2. Lieblingsalbum des Jahres

Gute Alben haben für mich vor allem etwas mit Beständigkeit zu tun. Ich habe in meinem CD-Regal definitiv zu viele Longplayer stehen, deren Witz sich nach zehn Mal hören komplett auserzählt hat. Gute Alben sollten sowohl ein Statement der Stunde abgeben als auch das Zeug für einen nachhaltigen Klassiker haben. Letzteres ist bei einem Jahresabschluss schwer einzuschätzen – ich kann aber sagen, welche Platte ich auch nach acht Monaten immer mal wieder gerne aus dem Regal ziehe – und das ist Prinz Pis „Kompass ohne Norden“. Zu dem Künstler habe ich bereits alles wichtige gesagt – und heute werde ich definitiv alle meine Lieblingslieder daraus noch einmal hören.

3. Flop des Jahres

Tja, das wird hier vermutlich sehr viele Leser aufregen, aber Daft Punks „Random Access Memories“ ist wirklich ein Griff ins Klo gewesen. Und das sage ich nicht erst, seitdem ich mich als Reporter mit ihrer merkwürdigen Marketingstrategie (kein Bildmaterial) rumplagen musste oder seit dem 2. Oktober. Daft Punk haben mit diesem Album einfach sehr viel falsch gemacht: Die Erwartungen waren extrem hoch gehängt und dank der Geheimniskrämerei kam der Erfolg natürlich umgehend. Das ganze Jahr über dudelte irgendwo „Get Lucky“ durch die Gegend – damit verkam das Lied auf Matthias Reim-Niveau. Aber mal Hand aufs Herz: Wer kann ohne nachgooglen umgehend einen weiteren Titel des Albums nennen? Eben. Daft Punk haben bei mir sehr viel Kredibilität verspielt – und dieses Disco-Ding haben andere Künstler schon viel früher viel besser vorgemacht.

4. Lieblingskommentar/ -zitat bei 100 Songs

Es ist noch nicht lange her, da klickte ich mich eines Sonntags auf unsere schöne Webseite und las diese Zeilen:

„Sollte die RAF zurückgekommen sein, um unser Munitionsdepot erneut auszurauben? In meiner Panik ließ ich mich hinter Stefan auf den Boden fallen und versuchte in dem dicken Nebel um uns herum irgendetwas zu erkennen.“

Ich kann mich nur wiederholen, lieber Kollege: Ganz großes Kopfkino!

5. Geheimtipp/ Hoffnung für 2014

Auch hier kann ich mich nur wiederholen: Ich hoffe wirklich sehr, dass Jan Eißfeldt mit seinem Rockalbum nicht alles kaputt macht, was er in den letzten 20 Jahren aufgebaut hat. Im April wissen wir mehr.

6. Bestes Erlebnis des Jahres

Wenn ich mal das wirklich-wirklich Private hier rauslasse, dann war es sicherlich die Mitteilung, dass an mehreren Tagen mehr als 1.000 Menschen unseren Blog hier gelesen haben und sich diese Zahl immer regelmäßiger hier einpendelt. Ein anderes sehr schönes Erlebnis war die ungeahnte Faszination der texanischen Stadt Houston.

7. Konzert des Jahres

Auf dem diesjährigen Berlin Festival traten viele interessante Künstler auf: Das Konzert der Pet Shop Boys litt leider unter dem schlechten Playback-Sound, der immer wieder abbrach und Blur langweilten mich dann irgendwie. Casper war okay, aber den absoluten Hammer-Auftritt hat Left Boy abgeliefert: Der Sohn von André Heller hat sich mit seinem Sound denkbar weit von seinem Vater emanzipiert – doch die Geste der großen Unterhaltung versteht er perfekt. Mit einem Dutzend Tänzer, wahnsinnigen Bässen und vielen kleinen Live-Gimmicks hat er eine sensationelle Show hingelegt, die sich mit iPhone-Fotos so gut wie gar nicht abbilden lässt. Very well done!

Left Boy beim Berlin Festival 2013

8. T-Shirt des Jahres / Sneaker des Jahres

Tja, diese Kategorie verdankt ihr mir. In meinen Texten war ja immer wieder herauszulesen, dass ich gerne Streetwear und seltenes Schuhwerk kaufe. Ich weiß natürlich, dass man das als Außenstehender schwer nachvollziehen kann, warum jemand mit Ende 30 immer noch zu den Kool Kids zählen will, indem er sich für frische Turnschuhe interessiert. Das ist allerdings nur die eine Seite – die andere hat etwas mit Design und Konzept zu tun. Das geht so weit, dass ich einige Sneaker wirklich als Kunstwerke bezeichnen würde. Genauer gesagt als „wearable art“, um mal „Entourage“, eine meiner Lieblingsserien, zu zitieren. Jedenfalls war das Sneaker-Game in diesem Jahr deutlich langweiliger als in den Vorjahren. Viele Ideen waren abgenutzt – alle Farbkombinationen scheinbar schon verwendet, alle vergessenen Modelle aus den Archiven der Sneaker-Hersteller ausgegraben und alle Materialien von Schlangenhaut bis Straußenoptik bereits zig Mal wiederholt. Doch Nike hatte die in meinen Augen großartige Idee, den beliebtesten Modellen ihrer Air Max-Serie Camouflage-Muster zu verpassen. Da störte es auch nicht, das der Air Max in dieser Saison zum Konsensschuh der „InStyle“- und „GQ“-Redaktionen auserkoren wurde, so dass ich ihn kaum noch sehen mag. Auch das Thema „Camo“ wurde etwas überbeansprucht, doch Nike hatte ein tolles Konzept: Zunächst wurden fünf Länder ausgewählt (Japan, Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland) dann dort das jeweils absatzstärkste Air Max-Modell identifiziert und das entsprechende Tarnmuster der jeweiligen Streitkräfte farbenfroh und geschmackvoll appliziert. Und dank eines London-Aufenthalts besitze ich nun Air Max 90 mit Bundeswehr-Flecktarn. Hate it or love it.

Air Max 90 mit Bundeswehr Camo.

9. Bestes Video des Jahres

Das ist ganz einfach: Ich habe bestimmt zwei Dutzend Mal „Where Are We Now?“ von David Bowie gesehen und fühle mich immer noch emotional zutiefst berührt.

10. Musikentdeckung, die ich ohne den anderen nicht gefunden hätte

House gehört eigentlich nicht zu meinen musikalischen Vorlieben. Daher sind auch diverse Klassiker dieses Genres bedeutungslos an mir vorbei gewabert. Doch Michael hat mich mit Sebastian Ingrosso und seiner ehemaligen Swedish House Mafia nachhaltig beeinflusst. Besonders „Don’t You Worry Child“ funktioniert auf Parties super und spricht auch irgendwie zu mir: melancholisch und euphorisch zugleich. Dö-dö-dö – dö-dö-dö… Dö-dö-dö-dö – dö…

Swedish House Mafia – Don’t you worry child from Erik Sohlström on Vimeo.

11. Die sinnloseste/irrsinnigste Anschaffung des Jahres

Ich war in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen einigermaßen vernünftig. Wenn es etwas Sinnloses gab, dann diesen ersten Bestseller von Jonas Jonasson, weil mich dieser langweilige „Forrest Gump“-Abklatsch nicht die Bohne interessiert hat. Sinnlos war vielleicht die Anschaffung eines Autoradios für zehn Euro, das mit Einbau und passendem Stecker insgesamt 75 Euro kostete – und nach fünf Wochen so kaputt ging, dass wir nicht einmal mehr den Verkehrsfunk rauschfrei empfangen konnten. Damit verbunden jede Schraube, die ich bezahlt habe, um meinen alten Corsa durch den TÜV zu bringen – nur damit er sich vor drei Wochen von uns verabschieden konnte… Nun ja, aber mein neues Auto hat zumindest einen CD-Player, was total irrsinnig ist, weil Spotify nicht mehr funktioniert und ich jetzt wieder überall silberne Scheiben im Auto rumfliegen habe. Aber irgendwas ist ja immer 🙂

Komm(t) gut ins neue Jahr!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich lese gerade auch diesen 100jährigen und brauche so ewig. Sprachlich nicht mein Ding und inhaltlich auch weniger… keine Ahnung, ob ich das noch durchschaffe. Schäme mich schon fast, das ungelesen meiner Mutter geschenkt zu haben, weil ich auf die vielen Empfehlungen vertraute.

    Noch schnell was zur Musik: Mein bestes Album des Jahres war übrigens“Trouble Will Find Me“ von The National. (Den Rest liest man dann Silvester bei mir :D)

  2. @Ines: Bin gespannt, was bei Dir alles vorkommt… Bis Silvester habe ich meinen Jahresrückblick dann hoffentlich auch fertig.

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