Interlude: Ausblick

Wie Du weißt, ist 2013 in Rap-Deutschland viel los gewesen: wir haben unzählige spannende Newcomer erlebt und insgesamt toppten 11 (!) Deutschrap-Alben die Charts. Daneben haben sich alle scheinbar alle gegenseitig lieb (bis auf Kay One) und daher gab es wunderbare-geniale Zusammenarbeiten aus Rapper-Lagern, die sich vor zehn Jahren vermutlich gehasst hätte.

Cro hat sein Publikum mit tollen Freetracks beschenkt, Sido einen Track mit 18 Rappern veröffentlicht und das, was Casper, Prinz Pi, DCVDNS, MC Fitti, Alligatoah, Fettes Brot, Genetikk und meinetwegen auch Thomas D. in diesem Jahr veröffentlicht haben, verbuche ich als ganz großes Kino. Groß, weil unterhaltsam und gern von mir gehört.

Was bringt uns das kommende Jahr? Nun, ich würde sagen, es geht genau so genial weiter. Ende Januar veröffentlicht Marteria endlich sein Album „Zum Glück in die Zukunft II“. Marteria ist das Paradebeispiel eines Künstlers, der es geschafft hat: Er ist erfolgreich genug, um seine Vision von Kunst nicht nur akustisch sondern auch optisch perfekt zu präsentieren. Er bleibt seinen Leuten treu und arbeitet mit einem super Produzententeam zusammen, das auch Peter Fox zum großen Solo-Wurf verholfen hat. Der Fotograf Paul Ripke ist mit ihm um die halbe Welt gereist und hat Marteria in interessanten Settings inszeniert – das bedeutet Snippets auf einem völlig neuen Niveau. Auch sein Tour DJ Kid Simius ist jemand, den man unbedingt mal live erlebt haben muss – und von dem ich nie genug bekommen kann. Jetzt hat er Marterias dritte Single-Auskopplung „Kids“ geremixt und beweist mal wieder sein Gehör für Sound-Avantgarde.

Ein weiteres wichtiges Album steht bereits in drei Wochen an: Psaiko.Dino ist Dir wenn überhaupt als Tour DJ von Cro bekannt. Im Gegensatz zum Panda-Rapper kennt man sein Gesicht – und darf ihn bald als Produzenten erleben. Am 17. Januar erscheint „#Hangster“ – und so viel mal vorneweg: Produzentenalben haben mich in der Vergangenheit oft gelangweilt. Häufig werden da langweilige Beat-Visionen eines aus der letzten Reihe in den Mittelpunkt rückenden Menschen in Tonträger gegossen und altbekannte Kumpels gefeaturet. Und natürlich ist Cro auch mit dabei – aber in einer vielversprechenden Konstellation: Zusammen mit Haftbefehl – ja, genau dem Babo-Typen, dem Deutschland das Jugendwort des Jahres 2013 verdankt. Und genau so darf man sich das Konzept vorstellen: 29 Gastkünstler auf 17 Tracks – dabei immer wieder spannende Konstellationen. Vorab gab es vor zwei Wochen bereits mal diesen Track: Harte Frankfurter Straßentypen, die die Rollen mit zartbesaiteten bayrischen Hipstern tauschen. Also, mir gefällt das schon mal sehr gut.

Uns sonst so? Bushido wird einen neuen Tonträger vollrappen, Prinz Pi sein Live-Album releasen und dann hoffentlich den wohlverdienten Goldstatus genießen, im April kommt wohl die Jan Delay Rockplatte, vor der ich mich nach seinem Auftritt bei der diesjährigen Verleihung der 1Live Krone allerdings etwas fürchte. Aber freuen tue ich mich in jedem Fall auf zahlreiche spannende Touren der oben genannten Künstler und neues Material von Trailerpark. Jetzt aber erstmal: Frohe Weihnachten und viel Spaß beim Hören.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ach, Psaiko.Dino ist der DJ von Cro… Den Namen hatte ich schon
    ein paar Mal gelesen. Schließlich habe ich auf Deinen Ratschlag hin die
    RSS-Feeds von rap.de und 16bars.de abonniert und bin dort zuletzt regelmäßig auf den
    Namen gestoßen. Okay, dann kann ich das jetzt einordnen. Die Vorab-Sachen, die
    ich mir zu „#hangster“ noch rausgesucht habe, klingen auch für mich gut. Ich
    gehe davon aus, dass ich davon noch mehr hören werde: Vermutlich hier, wenn Du die
    Platte gut findest. Und sonst zumindest bei den einschlägigen Portalen, die ich
    ab jetzt noch etwas aufgeklärter verfolgen kann.

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