Interlude: Advent, Advent…


Was „On The Beach“ im Sommer, ist „Last Christmas“ im Winter: mein Einstieg in die „Season“. Bei mir kommt Weihnachtsstimmung erst dann richtig auf, wenn ich den Song im Radio höre. Aber ich verbinde damit noch eine weitere Sache: meine Karaoke-Premiere.

In meinem London-Jahr als Assistant Teacher traf ich mich so manchen Freitagabend mit ein paar Kollegen im Pub. Das „Windmill“ (inzwischen offensichtlich ein Hostel) war nicht schick, für uns alle aber immerhin gut erreichbar. Und außerdem war dort freitags immer Karaoke, was für unseren Kollegen Daniel der Hauptgrund war, dort hinzugehen. Kaum saßen wir an unserem Tisch, kreuzte er auf der Liste verfügbarer Songs die an, die er vortragen wollte. Nicht, dass er gut singen konnte. Aber das störte weder ihn noch die anderen Gäste.

Natürlich versuchte Daniel uns andere dazu zu bewegen, ebenfalls zu singen. Schließlich mache es Spaß und außerdem sei das Publikum sehr tolerant gegenüber semi-professionellen Sängern, wiederholte er bei jedem unserer „Windmill“-Abende. Wir zierten uns jedes Mal, aber an dem letzten Freitag vor Weihnachten 1994 gaben wir alle seinem Drängen nach.

Lucy sang „White Rabbit“ von Jefferson Airplane, ihr um einiges jüngerer Mann aus Osteuropa sang etwas von Depeche Mode. Und ich ließ mich von Daniel dazu überreden, gemeinsam „Last Christmas“ zum Besten zu geben.

Wir sind gut durch den Song gekommen, ohne dass jemand uns ausbuhte oder gar Gläser warf. Es gab außer von unserem Tisch aber auch keinen Applaus. Ich war also weder traumatisiert, noch angefixt. Darum trieb es mich in den darauf folgenden Monaten auch nur ein einziges weiteres Mal auf die Bühne des „Windmill“: Daniel und ich sangen gemeinsam „Easy“ von den Commodores.

Gestern habe ich „Last Christmas“ zum ersten Mal in diesem Jahr im Radio gehört. Die „Festive Season“ kann also kommen. Hörst Du schon Weihnachtslieder?

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Puh, nicht so direkt. Ich muss sagen, dass ich bei „Last Christmas“ weder schreiend davon renne, noch in Jubelstimmung ausbreche. Ich bleibe nüchtern und neutral. Viele Jahre habe ich es sogar sehr gerne gehört, aber das kann ich heute leider nicht mehr von mir behaupten. Ich bin kein Weihnachtsmuffel und freue mich über die Zeit mit den Liebsten, leckeres Essen und Geschenke – aber Musik ist komischerweise gar nicht so ein großes Thema. Es bimmelt was im Hintergrund und gut ist. Heiligabend ist vielleicht die eine Zeit im Jahr, wo ich komplett undiktatorenhaft anderen das Zepter für die Musik in die Hand drücke – und es auch ertragen kann.

    Aber wenn ICH an Karaoke denke, läuft bei mir ein ganz anderer Film ab: Ich denke an Frank Sinatra! Warum? Das erzähle ich bald mal an anderer Stelle…

  2. Pingback: 99/100: When I’m 64 | 100 Songs

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