41/100: Famous Last Words

Tears For Fears (1989)

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„Runter! Da ist jemand am Zaun!“ Stefan warf sich vor mir ins Gras und lud sein Gewehr durch. In mir tobte die Angst. Sollte die RAF zurückgekommen sein, um unser Munitionsdepot erneut auszurauben? In meiner Panik ließ ich mich hinter Stefan auf den Boden fallen und versuchte in dem dicken Nebel um uns herum irgendetwas zu erkennen. „Stehen bleiben oder ich schieße“, rief Stefan in die dicke Suppe. Ich hoffte so sehr, dass er sich vertan hatte. Dass da nichts war. Aber der bisherige Verlauf des Tages ließ nichts Gutes erwarten.

Es war mein erster Wachdienst bei der Bundeswehr. Meine Grundausbildung und ein kurzer Urlaub lagen hinter mir, meine Ausbildung zum Fahrer eines Schützenpanzers hatte gerade begonnen. Unsere Kompanie war außerdem noch für die Bewachung eines Munitionsdepots in der Nähe von Schwanewede zuständig. Der Deal hörte sich eigentlich gut an: Morgens nach dem Frühstück wurde die Wachmannschaft in einem Bulli zum Munitionsdepot gefahren. Dort löste man die Mannschaft ab, die die vergangenen 24 Stunden Wache gehalten hatte. Zu zweit und für jeweils zwei Stunden patrouillierte man auf dem ansonsten menschenleeren Gelände auf zuvor abgestimmten Routen und hatte dann vier Stunden Leerlauf bevor man wieder dran war. Am nächsten Morgen wurde man dann abgeholt und hatte den Rest des Tages frei.

Erstens kommt es anders…
Der sogenannte Dienstausgleich für die 24-Stunden-Schicht machte diese Wachen interessant. Zumindest auf dem Papier erschien ein solcher Dienst wie einen Tag lang „Eier schaukeln“ (sorry für den Bundeswehr-Jargon) und anschließend auch noch einen Tag frei.

Die Realität sah anders aus.

Wir waren bei meinem ersten Wachdienst sechs unerfahrene Rekruten, ein Offizier und ein Fahrer. Der Offizier erzählte uns auf der Fahrt zum Depot, dass dort vor einigen Jahren einige Wachsoldaten getötet und Munitionskästen gestohlen worden seien. Man hätte nie rausgekriegt, wer hinter dem Überfall gesteckt habe, vermute aber weiterhin Terroristen. Einmal im Depot angekommen wurden wir in drei Zweier-Gruppen eingeteilt, erhielten unsere Routen und dann ging der Dienst auch schon los.

Nebel des Grauens
Ich war mit meinem Partner Stefan eigentlich ganz zufrieden. Wir kannten uns seit dem ersten Tag beim Bund und waren gleich auf eine Stube eingeteilt worden. Er hatte ein wenig das Image eines Losers, weil er sportlich und auch geistig nicht immer der schnellste war. Aber er war ein gutmütiger Kerl. Allerdings hatte ich seine Angst unterschätzt.

Als wir am Nachmittag unsere zweite Runde antraten, wurde es auf dem Gelände nebelig. Und zwar richtig nebelig. Man sah die Hand vor Augen kaum. Gemäß den Befehlen unseres Offiziers ging ich voraus, Stefan etwa zwei Meter schräg versetzt hinter mir. Je schlechter die Sicht wurde, umso nervöser wurde Stefan. Die Geschichte vom Überfall machte ihm offenbar sehr zu schaffen. Immer wieder löcherte er mich mit Fragen, was wir denn machen sollten, wenn wirklich jemand das Depot überfallen würde. Mit seiner Angst steckte er mich innerhalb weniger Minuten an. Mich beunruhigte darüber hinaus, dass hinter mir ein ängstlicher 19-Jähriger mit geladenem Gewehr ging. Irgendwann bat ich ihn, vorzugehen, aus Angst er würde mir in einer Kurzschluss-Reaktion in den Rücken schießen.

…und zweitens als man denkt
Aber auch als Vorhut war er nicht zu gebrauchen. An jeder Ecke blieb er stehen und schaute verschreckt nach rechts und links. Was ohnehin witzlos war, da man kaum was sah. Ich ließ mich ein wenig zurückfallen, um aus seinem Aktionsradius rauszukommen – bis er auf einmal im Nebel verschwunden war. Dann hörte ich ihn: „Stehen bleiben!“ Mir rutschte das Herz in die Hose. „Stefan, was ist los?“ – „Da ist einer!“ –„Wo denn?“ Ich sah nichts. „Da vorne! STEHEN BLEIBEN HABE ICH GESAGT!“ Ich folgte dem Ruf seiner Stimme und schloss vorsichtig zu ihm auf. Er hatte sich hinter einen Baum gestellt. Ich versuchte an ihm vorbei etwas im Nebel zu erkennen, sah aber nichts. „Da“, wies er mit dem Lauf seines Gewehrs nach rechts. „Ich glaube nicht, dass da was ist“, antwortete ich. Auch, um mich selbst zu beruhigen.

Wir warteten noch einige Minuten, es tat sich aber nichts. Aufgeschreckt und zunehmend nervöser setzten wir unsere Patrouille fort. Aber nur wenige Minuten später drehte Stefan komplett durch.

Manchmal kommen sie wieder
„Runter! Da ist jemand am Zaun!“ Stefan warf sich vor mir ins Gras und lud sein Gewehr durch. In mir tobte die Angst. Sollte die RAF zurückgekommen sein, um unser Munitionsdepot erneut auszurauben? In meiner Panik ließ ich mich hinter Stefan auf den Boden fallen und versuchte in dem dicken Nebel um uns herum irgendetwas zu erkennen. „Stehen bleiben oder ich schieße“, rief Stefan in die dicke Suppe. Ich hoffte so sehr, dass er sich vertan hatte. Dass da nichts war. Und fürchtete mich dabei zu Tode.

„Was macht ihr da für eine Scheiße?“, drang eine zweite Stimme durch den Nebel. Der Offizier. „Ihr Idioten bleibt jetzt ganz ruhig liegen, bis ich bei Euch bin.“ Wir konnten seine schnellen Schritte auf dem Weg hören. Als er uns erreichte, nahm er uns zunächst die Gewehre ab und befahl uns dann vor ihm in Richtung Wachhäuschen zu gehen. „Habt Ihr sie noch alle, hier so einen Aufstand zu veranstalten? Wer hat denn hier so gebrüllt? Warst Du das?“ Er blickte wütend auf Stefan, der sich gar nicht erst traute zu antworten. Der Offizier entlud unsere Gewehre vor dem Wachhäuschen und als wir unbewaffnet vor ihm standen, faltete er uns richtig zusammen. Der Anschiss ließ mich noch mehr zittern als die Angst, von Stefan hinterrücks über den Haufen geschossen zu werden. Er hätte unser Geschrei und dann das Durchladen gehört und gedacht, dass wir ja wohl nicht ganz frisch seien. Hier sei außer uns niemand und „jetzt geht ihr rein und kommt erst mal wieder zu Verstand.“

Musik für die Wachen
Durch die frühzeitige Ablösung hatten Stefan und ich etwas mehr als die regulären vier Stunden Zeit, uns auszuruhen. Ich hatte nach der ganzen Aktion keinen Bock auf Gespräche und setzte mir auf der Pritsche meinen Walkman auf. Mit meiner damaligen Lieblingsplatte – „The Seeds Of Love“ von Tears For Fears.

tff_hurting_shelterIch fand die Band schon lange toll. Im Frühjahr 1983 hatte mich ein Klassenkamerad auf „Mad World“ aufmerksam gemacht. „Went to School and I was very nervous, noone knew me“ – das passte perfekt auf den Umzug, der im Sommer ’83 auf mich wartete. Nachdem mir auch „Pale Shelter“ sehr gut gefallen hatte, kaufte ich im Anschluss an einen Kiefernorthopäden-Besuch in Osnabrück das Debütalbum „The Hurting“. Es war ein weitgehend elektronisches Album, klang aber ganz anders als „Construction Time Again“, das Depeche Mode zur selben Zeit rausgebracht hatten. „The Hurting“ war zwar über weite Strecken niederschmetternd, aber immer noch poppig. Und außerdem hatten Curt Smith und Roland Orzabal coole Frisuren. Jedenfalls aus der Sicht eines dreizehnjährigen Landeis.

tff_collectionAuch wenn sich der Sound von Tears For Fears veränderte, blieb ich mit „Songs From The Big Chair“ Fan der Band. „Mother’s Talk“ , „Shout“, „Everybody wants to rule the World“ – großartige Singles, die mit einigen experimentelleren, aber dennoch wirkungsvollen Stücken zu einer tollen LP ergänzt wurden.

Flower Power statt Elektronik
Und dann kam lange nichts. Erst 1989 meldeten sich Smith und Orzabal wieder zu Wort. Ich war zu dem Zeitpunkt schon in Schwanewede stationiert und stellte fest, dass zumindest die Abiturienten um mich herum Tears For Fears ebenfalls sehr mochten. So kam es zu der bemerkenswerten Situation, dass wir mit fünf Leuten mucksmäuschenstill auf unseren Pritschen lagen, um eine Sondersendung auf Radio ffn zu hören, in der das neue Album „The Seeds Of Love“ vorgestellt wurde. Wir waren alle überrascht, wie unelektronisch die Platte war. „Bad Man’s Song“ etwa war mit seinem Jam-Charakter der komplette Gegenentwurf zu einem strukturierten und programmierten Track wie „Pale Shelter“. Die Vorab-Single „Sowing The Seeds Of Love“ war mit seinem Flower-Power-All-You-Need-Is-Love-Gestus der komplette Gegenentwurf zu der Situation in der ich mich gerade jetzt befand.
Vielleicht hat die Platte genau deswegen so beruhigend auf mich gewirkt. Wieder und wieder hörte ich die acht Songs und entwickelte eine Vorliebe für das letzte Stück der Platte – das aufwändig arrangierte „Famous Last Words“.

Der Kontrast zwischen den beiden ersten eher stillen Strophen und dem Aufbäumen im Mittelteil war klasse. Und dann ist da dieser magische Moment, wenn der Song ganz langsam ausklingt sich mit den Umgebungsgeräuschen vermischt und nie ganz klar ist, ob man noch im Song oder schon wieder in der Realität ist. Bis die Play-Taste aus dem Walkman rausspringt, weil die Cassette am Ende angekommen ist.

Wieder und wieder hörte ich die Platte und erreichte tatsächlich einen entspannteren Gemütszustand, als Stefan und ich am Abend wieder raus mussten. Der Nebel war weg, wir ignorierten die vorgeschriebene Route und suchten uns eine Stelle von der man das Wachhäuschen gut sehen konnte. Dort saßen wir unsere zwei Stunden ab. Genauso machten wir es dann auch in der Nacht. Dazwischen versuchte ich ein wenig zu schlafen, die Kopfhörer mit Tears For Fears auf den Ohren.

Zwei Lektionen
Auch wenn die weitere Wachschicht ereignislos blieb, war ich froh, als wir am Morgen wieder in den Bulli Richtung Kaserne verfrachtet wurden. In den folgenden Monaten habe ich mich dennoch immer öfter für Wachdienste eingetragen, erst recht als ich mit meinem Bundeswehr-Führerschein nicht mehr für die Patrouillen, sondern als Fahrer eingeteilt wurde. Das war dann wirklich „Eier schaukeln“, da ich außer ein paar Fahrten zum Essen holen nichts zu tun hatte. Ich schlief viel und hatte dann auch noch den nächsten Tag frei.

Nach meinen Anfangserfahrungen achtete ich bei den folgenden Wachen aber ganz besonders auf zwei Dinge: gute Musik im Walkman. Und auf keinen Fall durfte Stefan mit eingeteilt werden. Auch, wenn er ein netter Kerl war.

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  1. „Komm, jetzt hab Dich nicht so, Du Mädchen!“ Auf einmal standen sie alle vor mir. Mindestens ein Dutzend Typen, vielleicht ein paar mehr. Ich kannte zwar ein paar Gesichter, aber längst nicht alle. Innerhalb von Sekunden wurde es immer ungemütlicher.

    „Jetzt mach hin, ist scheiße kalt hier!“, nervte der Erste. „Genau, rumgeheult wird nicht!“, meinte Duffy und zog dabei eine Flasche aus seiner Jacke. „Was hat er gesagt? Ich glaub ich spinne – schieb den Spasti doch einfach weg“, ergänzte der Typ mit der gefährlich aussehenden Bomber-Jacke weiter hinten in der Reihe. Mit „Spasti“ war ich gemeint.

    Das war schon ein wenig beängstigend – und ich sah den Abend so schnell zu Ende gehen, wie er angefangen hatte. Auf Till, Jens und René konnte ich nicht setzen – die amüsierten sich hinter der Tür. Dabei hatten wir die Party gemeinsam geplant und waren bis eben ganz zufrieden mit der Mädchen-Quote gewesen. Im Hintergrund plätscherte ein Mixtape zum Warmwerden. Für später hatte ich einen Stapel Platten mitgeschleppt und mit Namensstickern versehen, um Vertauschungen zu vermeiden. 

    „How can we dance when our earth is turning / How do we sleep while our beds are burning?“, sang Peter Garrett hinter mir – während ich den undankbarsten Job des Abends hatte. Ich stand als Türsteher in Jens Treppenhaus vor dem Zugang zu dem riesigen Dachboden – und sah einiges zu Bruch gehen: Meine Anlage, meine Platten – und die Stimmung.

    Da schob sich Lars zu mir vor und fing an auf mich einzureden: „Pass mal auf Mikko, wir wollen doch nur ein bisschen mitfeiern.“ „Und wir haben auch noch was zu trinken mitgebracht“, ergänzte Duffy und schwenkte mit der fremdartig aussehenden Flasche Rum vor meinem Gesicht. 

    Ich seufzte, denn es hatte keinen Sinn. Die ungeladenen Gäste waren da – und hatten nicht vor, wieder zu gehen. Und kurz bevor mich zwei Typen unter den Armen packen und hochheben konnten, trat ich zur Seite. Schon schob sich die ganze Meute jubelnd an mir vorbei hinein in den Dachboden. Der Störenfried war beseitigt – das war dann wohl ich gewesen. Merkwürdig, wie schnell sich Situationen drehen können.

    Im Hintergrund wechselte die Kassette zu „Sowing the Seeds of Love“ – aber nur so lange, bis Duffy seine Kreator-CD aus seinem Rucksack genestelt hatte und den weiteren Sound des Abends bestimmte. In diesem Moment schwor ich mir: Nie wieder Gastgeber einer Party, von der mehr als 20 Leute wissen – das gibt nur Ärger.

    Claudia und Martina kamen zu mir herüber und trösteten mich: „Mach Dir nichts draus – ich kenne Duffy, der tut nichts.“ Das war zumindest irgendwie beruhigend. „Stimmt, und in 20 Minuten sind die eh wieder weg.“ In diesem Punkt irrten sich die beiden allerdings. Es wurden bestimmt drei Stunden, bis das Büffet leer war und die Truppe endlich weiter zog. Allerdings sorgte eine meiner beiden Gesprächspartnerinnen in der Zwischenzeit bei mir für genug Ablenkung – mit ein paar Küssen. Nur deshalb bleibt dieser Abend nicht als der schlimmste in meiner persönlichen Party-History in Erinnerung… 

    Wenn ich ehrlich bin, haben die Tears for Fears zu meiner Schulzeit sonst keine weitere große Rolle gespielt. Erst kurz vor dem Abitur entdeckte ich, dass die selbe Band nur ein paar Jahre zuvor so großartige Songs wie „Mad World“ und „Shout“ produziert hatte. Doch mit meiner Vorliebe für 80ies Pop war ich um 1993 relativ alleine in meinem Jahrgang.

    Auch hätte ich die Band vermutlich nicht weiter auf dem Schirm gehabt, wenn sie nicht 2004 einigermaßen überraschend ein Comeback-Album namens „Everybody Loves a Happy Ending“ produziert hätten. Da ich mir in einer Fernsehredaktion gerade den Ruf eines Pop-Experten erarbeitet hatte, waren die Tears for Fears einer von zahlreichen europäischen Acts, deren Historie ich gegen Bezahlung filmisch aufarbeiten durfte. Für mich ein Traumjob.

    Also hörte ich ihre Alben durch, las mich in ihre Biographien und Rezensionen ein und bestimmte ihre wichtigen Hits (das war noch richtig viel Arbeit, denn es war die Zeit VOR Wikipedia). Ein Interview mit den Stars bekamen wir nur selten. Dafür drückten mir die Plattenfirmen gerne sogenanntes EPK-Material in die Hand: ein Electronic Press Kit. Diese DVDs oder MAZ-Bänder variierten enorm. Manchmal enthielten sie den aktuellen Clip, 15-minütige Interviews mit klug gestellten Fragen sowie ein paar im Studio mitgeschnittene Aufnahmesessions. Andere Promoter lieferten dagegen nur fünfminütige, Clipartig geschnittene Video-Sequenzen. Weil die Macher sich künstlerisch verewigen wollten und nicht an den Nutzen für Journalisten dachten, war oft Musik über die O-Töne geblendet, was die Verwendbarkeit dann sehr einschränkte. Manchmal konnte ich nur mit größter Not ein paar Szenen und O-Ton-Schnippsel herausziehen. Den Rest des Films reicherte ich dann mit alten Musikvideos, Konzertaufnahmen oder Archivbeiträgen an. Das wurde nicht immer wunderschön – aber der Zuschauer sollte zumindest kapieren, was den jeweiligen Act ausmachte und dafür eine schlüssige Geschichte erzählt bekommen.

    Also wurde ich zum Archivwühler. Bald stand ich bei den großen vier Labels auf den Info-Verteilern, so dass ich immer rechtzeitig genug wusste, wann ein bekannter Act releaste. Die Tears for Fears fielen mir zwar gleich ins Auge, aber wenn ich ehrlich war, wusste ich gar nicht so viel von ihnen. Doch meine Chefs waren alle zehn bis 20 Jahre älter und nickten das Thema wohlwollend ab. Sie freuten sich wohl auf die Musik ihrer Studienjahre. 

    So kam es, dass ich mich mit der Geschichte der beiden Briten auseinander setzen durfte und erst 15 Jahre nach dem Partyerlebnis realisierte, welche Welten zwischen ihren elektronischen Anfängen und ihrem Hippie-Zyklus von „The Seeds of Love“ lagen. Wobei das auch nur zum Teil stimmt. Denn diese Weltverbesserer-Attitüde gab es natürlich auch schon in ihrer Electro-Popper-Phase Mitte der 80er. 

    Aus meinem TV-Beitrag, der ja nun auch schon wieder neun Jahre zurück liegt, ist mir Curt Smiths Erläuterung zu dem Text von „Shout“ besonders in Erinnerung geblieben. Ich meine, wer den Song nur so im Radio hört, steigt gar nicht so tief in den Text ein. Und auf der 80er Party freut man sich doch auch, dass man einfach immer wieder „Shout“ mitbrüllen kann, ohne groß drüber nachzudenken, warum eigentlich. Doch seitdem ich gehört habe, wie Smith seine Lyrics in den Kontext des Kalten Krieges und der eiskalten britischen Thatcher-Jahre einsortiert hat, bin ich geneigt, bei den Tears for Fears immer etwas genauer hinzuhören.

    Gleichzeitig ist „Shout“ für mich das Paradebeispiel dafür, dass die Anstöße für wirklich große Pop-Evergreens manchmal relativ trivial sein können: Zwei Jungs, die über ihre Phobien schreiben. Damit bündeln die Tears for Fears zugleich die Ängste von Millionen junger Menschen. Und sie kehren diese Ängste um: nicht in reine Wut, sondern in Freude und Harmonie. Und das muss man doch erstmal schaffen, oder?

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