Interlude: Kanyeezy!

Auch wenn jeder von uns beiden bislang schon 20 wichtige Songs und damit logischerweise auch 20 wichtige Musiker genannt hat, habe ich einen meiner Gegenwarts-Heroes bislang total vernachlässigt: Kanye West.

Kanye West ist einfach toll. In einer Zeit, in der Promis höchstens mit fiesen Paparazzi-Bildern (frag mal Britney) oder komplett durchinszenierten spätpubertären Ausbruchs-Phantasien (frag mal Miley) von sich reden machen, geht Kanye einen entscheidenden Schritt weiter: Er bleibt er selbst und liefert Schlagzeilen, die an Michael Jackson und Prince in ihren besten Zeiten erinnern. Selbst Obama ließ sich durch Kanye vor laufenden Kameras zu seiner „Jackass“-Bemerkung hinreißen.

Kanye macht einfach, was er will und hält mit seinen mitunter absurden Meinungen und grotesken Selbsteinschätzungen nie hinter dem Berg. Sein aktuelles Album nennt er selbstbescheiden „Yeezus“. Zum einen, weil es sich durch ein schönes Wortspiel mit seinem Spitznamen „Yeezy“ ergab. Zum anderen, weil er sich wohl als ein Von-Gott-Geküsster versteht und offenbar davon überzeugt ist, mit Herrn Christus auf Augenhöhe bestehen zu können.

Letzte Woche hat er uns exklusiv mit seinem phantastisch-dämlichen Video zu seiner neuen Single „Bound 2“ beglückt. Die halbe Blogosphäre amüsierte sich eine Woche lang darüber, mit welcher Ernsthaftigkeit Kanye seine holde Kim Kardashian sich nackt auf dem Motorrad räkeln ließ. Auch, weil der Hintergrund so furchtbar kitschig und schlecht reingekeyt war – ich fühlte mich an eine Show aus dem Offenen Kanal-Show anno 1993 erinnert.

Doch was gerne vergessen wurde: Kanye hat mit diesem Song wieder einmal sehr mutig bewiesen, wie er gewohnte Hörstrukturen einfach mal komplett aufbricht. Gezielte Disharmonien, eine seltsame Mischung aus Refrain-Sample-Strophe und dazu ein sehr slicker Beat.

http://www.youtube.com/watch?v=BuBd3bDdALM

Doch wir wollen mal nicht zu harmonisch werden. Da besteht bei Kanye allerdings auch selten die Gefahr. Derzeit scheint er auf Promo-Tour zahlreiche Radio- und TV-Sender mit seiner Anwesenheit zu beglücken. Dabei wird dann nicht nur über Musik gesprochen – denn da gibt’s meistens wenig dran zu kritteln.

Aber Kanyes Engagement als Modedesigner und Geschäftsmann geben auch viel her. Eine Frage, die sehr viele seiner Fans beschäftigt hat: Wo bleibt eigentlich die nächste Version seines 280-Euro-Turnschuhs, Modell „Nike Air Yeezy Red October“?

Der Monat Oktober ist schließlich längst durch und der Schuh immer noch nicht da. Nun erklärte Kanye, dass er mit adidas zusammenarbeiten werde. Können wir Sneakerheads DEN Nike-Treter wohl vergessen. Sehr Schade.

Doch Kanye sorgt dafür, dass niemand traurig sein muss. Denn statt unsere Geldbörsen zu leeren, beglückt er uns mit schmierigen Details aus der Geschäftswelt und obendrein einem wunderbaren Wutausbruch. Zwischen den Zeilen erfahren wir in folgendem Video nicht nur, wie ein Pop-Superstar eine Menge Kohle durch falsche Investments verlieren kann, sondern auch, mit wem sich Kanye – außer Jesus – noch so alles vergleicht. Wer den ganzen Sneaker-Talk überspringen will, kann zum einfachen Verständnis auf Minute 15:00 vorspringen. Ich verspreche: Kanye at his best worst behaviour!

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