Interlude: Purple Schulz

Foto 04.10.13 21 07 29War das ein schöner Abend. Ich kann nicht anders, als das Konzert von Purple Schulz gestern in der Harmonie so einfach zusammenzufassen. Das fing mit einem überraschenden Intro an und hörte mit einer schönen Zugabe auf. Dazwischen: einige tolle Songs, spaßige Showeinlagen und hörenswerte Geschichten.

Ich behaupte mal: Wie viele andere gestern Abend, war auch ich der guten alten Zeiten wegen in die Harmonie gekommen. „Meine“ Purple-Schulz-LP war „Verliebte Jungs“, die Platten davor und danach habe ich kaum wahrgenommen. Während ich also sicher war, dass „Kleine Seen“, „Nur mit Dir“ und „Verliebte Jungs“ mir auch in neuen Versionen gefallen würden, wusste ich nicht genau, wie ich mit neuen Songs klar kommen würde. Zumal ich in Interviews gelesen hatte, dass Schulz mit „So und nicht anders“ Songs für seine Generation schreiben wollte. Bei aller Wertschätzung: Zu der zähle ich mich jetzt nicht unbedingt…

Alle Skepsis verflog aber gleich mit den ersten Tönen von „Ich habe Feuer gemacht“: Schulz erschien nicht einfach auf der Bühne – er betrat den gut gefüllten Saal der Harmonie in Endenich aus der vorher mit Trockeneis und Licht präparierten Theke. Und sang zwischen den Gästen stehend die ersten Takte, während sein Kompagnon Schrader sich auf der Bühne einrichtete. Sehr sympathisch – und so sollte es auch den Rest des Abends bleiben.

Die erste Stunde bestand im wesentlichen aus den Songs der neuen Platte. Und die hat ein paar großartige Momente, sei es musikalisch („Der letzte Koffer“) oder textlich:

Das Böse liegt beileibe nicht wie Dracula im Sarge,
mitunter hockt es einfach hinter´m Schreibtisch bei der Ar-Ge.
Es hat Möbel von IKEA und fährt Mini-Van.
Seine Kinder heißen Sören, Ann-Kathrin und Sven.
(aus „Uns kann nix passieren“).

Foto 04.10.13 21 32 29Die zweite Hälfte hingegen war den Songs von früher gewidmet. Wobei Schulz und Schrader die Hits, auf viele im Saal sich freuten, im großen Stil umarrangiert hatten. „Das hier ist ein Lied das ihr kennt, bei dem wir alles weglassen, was ihr kennt“, kündigte der 57-Jährige etwa „Sehnsucht“ an. Der Wirkung tat dies keinen Abbruch.

Tüpfelchen auf dem I waren die beiden Showeinlagen, für die Schulz einmal als Xavier Naidoo ein „Wurstproblem“ beklagte (hat mich als ehemaligen Vegetarier sehr amüsiert), einmal als Jeck „Das Brauchtum“ des Kölner Karnevals auf die Schippe nahm (hat mich als Immi sehr amüsiert).

Foto 04.10.13 22 13 50Hörenswert waren auch die Geschichten, die Schulz zwischen den Songs erzählte. Dabei gelang es ihm mühelos zwischen Stimmungen zu wechseln. Einmal wunderte er sich darüber, dass bei Konzerten in der Achtzigerjahren die ersten Reihen seiner Konzertbesucher ausnahmslos weiblich und jung waren. Facebook hingegen aber behaupte in aktuellen Statistiken, dass seine Fans männlich und Ende 50 seien. Ein anderes Mal erzählte er davon, wie er mit seinem Vater versucht hatte, über dessen Wehrmachtsvergangenheit zu sprechen. Was auch immer das Thema: Die Art und Weise, wie Schulz – oft im Zusammenspiel mit Schrader – von sich und den ihm wichtigen Anliegen erzählte, war durchweg hörenswert und bei aller Betroffenheit nie unangenehm.

Ich muss es nochmal sagen: Es war ein schöner Abend. Nicht zuletzt, weil ich sehen konnte, dass es jemandem, der mir – und sei es nur eine Zeit lag – viel bedeutet hat, offensichtlich gut geht. Und dass da jemand auch mit 57 noch machen kann, was ihm am meisten Spaß macht. Und dem Publikum – mich eingeschlossen – offensichtlich auch.

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