Gastfeature: The Goonies ‚R‘ Good Enough

Ich freue mich ganz besonders, Euch heute einen speziellen Gast-Text vorzustellen. Unter der Rubrik Gastfeature werden wir in Zukunft unregelmäßig Texte von Menschen veröffentlichen, deren Meinung wir besonders schätzen. Zu unserem heutigen Gast-Autor brauche ich nicht viel zu sagen: HiFi Brown ist für Leser unseres Blogs kein Unbekannter. Und so freut es mich besonders, dass er die Rubrik heute mit seinem Lieblingssong von Cyndi Lauper aus dem Jahr 1985 eröffnet. Genug der Worte – let it flow!

„The Goonies ‚R‘ Good Enough“ von Cyndi Lauper (1985) von HiFi Brown

Wie viele Menschen haben ein Cyndi Lauper Tattoo? Wie viele haben ein falsch geschriebenes Cyndi Lauper Tattoo? .. Es sollte eine Dokumentation darüber gemacht werden!

Aber ich glaube, ich komme vom Thema ab.

1985. Cyndi Lauper hat bei den Grammys „Best New Artist“ gewonnen. Ein Preis in einer Kategorie, die als verflucht gilt, weil die meisten Gewinner sich als One-Hit-Wonder herausstellten. Dabei war sich zu diesem Zeitpunkt alle Welt sicher, dass sich Cyndi Lauper im Vergleich zu Madonna durchsetzen wird.

Cyndi Lauper ist die „wahre“ Künstlerin. Madonna nur ein Pop-Sternchen.

Diese Überzeugung basiert auf dem Ende 1983 veröffentlichten Debütalbum von Cyndi Lauper, welches nicht nur ihre erste Nummer Eins („Time After Time“) enthielt, sondern auch „feministische“ Pop-Songs wie „She Bop“ und „Girls just wanna have fun“. Und im Frühling 1985 steht Cyndi sogar ein weiteres Mal auf Platz Eins – wenn auch „nur“ als Teil der Formation „USA for Africa“.

1985 in Deutschland bedeutet, dass Ingolf G. Lück die Moderation von Formel Eins übernommen hat und die BRAVO sich währenddessen um das Resteficken bei der Neuen Deutsche Welle kümmert. NENA feiert ihren letzten großen Erfolg mit „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ bevor sie erstmal in der Versenkung verschwindet und am Besten auch nicht zu ‚Bongo Girl‘ und ‚Wunder gescheh’n‘ kurz aufgetaucht wäre.

Heute gilt Cyndi Lauper als Schwulen-Ikone. Ich bin mir nicht sicher, ob da die ursprüngliche Bedeutung von „Queer“ und „Gay“ bei Cyndi Lauper eine besondere Rolle spielen. Jede weibliche Pop-Größe wird schnell zur Schwulen Ikone: Grace Jones, Madonna, Cher, Celine Dion, Kylie Minogue, Britney Spears, Rihanna, Lady Gaga und Lana Del Rey. Über den jeweiligen Impact von Wertigkeit lässt sich streiten.

1984 habe ich Cyndi Lauper eher als menschliches Muppet wahrgenommen. Verrückt. Laut. Schrill. Lustig. Bunt. Sympathisch. Einfach „Pop“ eben. Eine lebendige Comic Figur.

Duran Duran machen den Titelsong zum aktuellen James Bond-Film und Huey Lewis & The News feiern ihren größten Erfolg mit dem Titelsong zu „Zurück in die Zukunft“. Steven Spielberg geht sogar bei seinem aktuellen Filmprojekt noch einen Schritt weiter und fragt höchstpersönlich bei Cyndi Lauper an, ob sie nicht sogar die komplette musikalische Leitung für den Soundtrack übernehmen möchte. Gesagt getan. Cyndi Lauper packt die damals noch unbekannte Mädchenband The Bangles auf die Platte und liefert ihnen somit ein Sprungbrett, welches die Aufmerksamkeit von Prince auf sie lenkt und ihnen ein Jahr später den Hit ihrer Karriere beschert. Wie schon Mikko auf die Synergie von ‚Labyrinth‘ hingewiesen hat, kommt auch hier alles zusammen.

Dennoch hat Cyndi Lauper den Song nie besonders gemocht. Zumindest bis 2003. Bis zu diesem Jahr war der Song auf keinem (Best-of) Album von Cyndi Lauper vertreten. Und seit 1987 hat sie ihn auch 20 Jahre lang nicht mehr bei Konzerten live gespielt. Es war zwar Cyndi Laupers fünfter Song in den US-Billboard Top 10, aber gemessen an ihren bisherigen Erfolge und gerade im Vergleich zu „The Power of Love“ war der Song und die Filmmusik ein Flop. Eventuell führte dies und die Fehleinschätzung, dass keiner den Song mag dazu, dass sie sich 20 Jahre davon abwandte. Der Song ist eben nur „Good Enough“. Es ist kein Befreiungsschlag, es geht im Subtext nicht um weibliche Masturbation und es ist auch kein Liebeslied mit einer tieferen Bedeutung. Madonna fühlt sich beim Singen des Textes von ihrem „Get Into The Groove“ auch immer etwas „stumpfsinnig“. Und man könnte auch an dieser Stelle bei Kylie nachfragen, wie sie wohl „I Should Be So Lucky“ findet. Aber die Fans lieben es – da reicht es, dass der Song einmal als a cappella live angesungen wird und die Fans übernehmen die Führung.

A Yi Yi Yi Yi Yeah!

Kindheitserinnerungen never die!

Goonies never say die!

The Goonies ist der ultimative Familien-/ Kinder-Film! Um es mal freundlich zu formulieren: Aus heutiger Sicht hat der Film seine Schwächen. Aber aus damaliger Sicht, war es der Beste Film der jemals gemacht wurde!

Wer träumt als Kind nicht davon, eine Schatzkarte auf dem Dachboden (oder im Keller) des Hauses zu finden und dann dieses Abenteuer mit all seinen Fallen zu erleben und all diese Rätsel zu lösen? Ich habe als Kind auf dem Abenteuer-Spielplatz im Bürger-Park Szenen aus dem Film nachgespielt! Ich wollte auch eine Bowlingkugel, die automatisch die Haustür öffnet. Ganz zu schweigen von dem gleichen Haarschnitt, den Schuhen und Jacken und den Fahrrädern der Protagonisten! Pure Identifikation! Ein zeitloser und ewig-währender Wunschtraum, den die Kinder von damals nun gemeinsam mit ihren eigenen Kindern im Fernsehen sehen können. Der Leitspruch von damals bekommt heute eine wiederkäuende Bedeutung, wenn alle fünf Jahre zu einem neuen Jubiläum eine neue Sammler-Edition auf den Markt geworfen wird. (Der 7. Juni ist nun (in)offiziell zum „Goonies“-Day geworden. Regelmäßig gibt es Events, bei denen man sehen kann, was aus den Hauptdarstellern geworden ist.)

Die Marketing Aktionen von Warner Bros fingen aber bereits 1985 an:

Es wurden sogar zwei Musikvideos für den Song gemacht: Eine Fortsetzungsgeschichte. Regie führte – wie auch bei dem Film – Richard ‚Dick‘ Donner. Das Video war gespickt mit Gast-Auftritten von Steven Spielberg, den Darstellern des Films, sowie The Bangles als Piraten und einige Profi-Wrestler, die in Deutschland niemand kannte. Der erste Teil wurde vor dem Filmstart (zur veröffentlichung der Single) ausgestrahlt. Der zweite Teil feierte TV-Premiere passend zum Kino-Start – allerdings nur im US Fernsehen. Ich musste bis zur DVD-Veröffentlichung (bzw. bis zum Upload auf YouTube) warten, bis ich erfahren habe, ob Cyndi sich aus den Fängen der Piraten und gleichzeitig das Familienunternehmen retten konnte.

Teil Eins:

Teil Zwei:

Die Plattenfirma änderte sogar den Titelnamen von „Good Enough“ in „The Goonies ‚R‘ Good Enough“, um mehr Werbung für den Film zu generieren.

Trotz des Erfolges des Films, ist bisher keine Fortsetzung oder Neu-Verfilmung geplant – die gab es bisher nur als Videospiel.

„The Goonies ‚R‘ Good Enough“ löst bei mir eine stärkere 80er-Jahre/ Kindheits-Nostalgie aus, als alle anderen Cyndi Lauper Hits. Vermutlich weil er eben nicht ganz so durchgenudelt und abgegriffen ist. Der Song konnte sich bisher vor den Top40-Radio-Stationen verstecken. Er wurde von den Best-Of-80er-Jahre-Hits-Compilations verschont. Es ist keine Hymne, die jeder noch so Besoffene wiedererkennt. Der Song bleibt etwas Besonderes. Auf etlichen Live-Video-Mitschnitten auf YouTube von Fans aus dem Publikum kann man erkennen, dass es vielen genauso geht. Es ist eben nicht die eindeutige zu erwartende Zugabe. Kein „Satisfaction“.

Abseits des Rampenlichts hat der Song also seine ganz eigene treue Fangemeinde, die dem Song ein eigenes Vermächtnis schaffen.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo HiFi,
    herzlich willkommen als Autor bei 100songs.de. Danke, dass Du unsere Reihe „Gastfeatures“ eröffnest. Und mit Cyndi Lauper hast Du jemanden ausgewählt, der völlig zurecht hier erscheint. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass Lauper im Vergleich zu Madonna die “wahre” Künstlerin ist. Darauf, dass sie aber unterschätzt wurde und wird, können wir uns sicher einigen.  

    Da will ich mich selbst gar nicht rausnehmen. Für mich war Lauper in erster Linie grell, laut, durchgeknallt. „Girls Just Want To Have Fun“, eben. Ich vermute, dadurch habe ich mich blenden lassen. Auch Songs wie „Time After Time“ haben an dieser Wahrnehmung wenig ändern können.

    Wie viel Emotionalität und Tiefe in ihren Songs tatsächlich steckt, daran wurde ich erst heute Morgen erinnert. Auf WDR2 lief „True Colors“. Wie großartig der Song ist, hätte ich schon vor Jahren erkennen müssen, als nicht mal Phil Collins seine Wirkung auf mich komplett wegsingen konnte. Und nochmal richtig umgehauen hat mich „True Colors“, als es auf der Trauerfeier für meine Nachbarin nur mit Klavier und Saxophon (ohne Gesang) live gespielt wurde.

    Ich nehme mit Freude zur Kenntnis, dass Lauper so langsam den Platz in der Pop-Geschichte zu bekommen scheint, der ihr zusteht. Etwa wenn jüngere Konsenskünstler wie Arcade Fire mit ihr zusammenarbeiten. Oder sie mit Lady Gaga für eine Charity-Aktion ausgewählt wird. Oder sie Auszeichnungen für das von ihr geschriebene Musical „Kinky Boots“ erhält. Und vor dem Hintergrund finde ich es umso passender, dass Du sie hier auch bei uns würdigst. Danke dafür.

  2. Pingback: Interlude: Gastfeatures | 100 Songs

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