Interlude: A$AP Rocky

Gestern mit Anja zusammen unterwegs gewesen. Einen schönen Abend verbracht. Das lag nicht an A$AP Rocky. Ich nenne ihn ab sofort den Pete Doherty des Rap: Er verwirrt alle seine Supporter – und keiner kann ihm richtig böse sein.

Ich auch nicht, aber es war schon etwas merkwürdig. Das Konzert begann offiziell um 21 Uhr. An einem Mittwoch. Es begann dann in Wirklichkeit um 23 Uhr. An einem Mittwoch. A$AP kam auf die Bühne und entschuldigte die lange Wartezeit mit einem dringenden Stuhlgang. Dann spielte A$AP sein zweites und sein drittes Lied. Dann sagte er, dass er heute nicht performen wollen, sondern Party machen. Gegen 23:20 Uhr spielte er seinen besten Party-Hit „Wild for the Night“.

Wild For The Night (Explicit) from youmadtho on Vimeo.

Wir tobten und schwitzten und tanzten Pogo. Danach fragte ich mich, was nun noch kommen solle. Er sich wohl auch.

Der DJ spielte einen weiteren Song, aber A$AP war mit etwas am Bühnenrand so sehr beschäftigt, dass er nicht rappen konnte. Trotzdem hörte man ihn rappen. In der letzten Strophe stieg er hörbar für ein paar Verse live ein – weshalb man ihn nun doppelt hörte. Dann bat er einen jungen Fan auf die Bühne. Der trug ein T-Shirt der Odd Future-Gang. A$AP half bei der Stilberatung und der junge Mann tauschte ein schwarzes T-Shirt mit Donuts drauf gegen ein weißes mit einem A$AP-Anarchie-Logo. Sah gut aus. Dann machte er ein Foto aus der Bühnenperspektive – das sah bestimmt auch gut aus. Dann bat ihn A$AP, in die Menge zu moshen. Das Publikum fing den jungen Mann sicher auf. Dann wurde das Licht lila und A$AP spielte seinen Hipster-Hit „Purple SWAG“.

Everything is purple

Das Lied eignet sich Null für Liveshows. Das merkte er wohl auch. Dann musste wieder ein junger Mann auf die Bühne, aber es dauerte etwas, bis das T-Shirt da war. Der junge Mann stand ein paar Minuten oben ohne auf der Bühne. Aber sein Oberkörper konnte sich sehen lassen. Danach sprang auch er mit Anarchie-Shirt bekleidet in die Masse der spindeldürren Leggins-ohne-Rock-Mädchen mit den schief sitzenden Comme des Fuckdown-Mützen und den seltenen bunten Jordans an den Füßen. Ich sah viele tolle Sneaker an dem Abend, die ich nie auf einem Konzert versauen wollen würde. Den Mädchen machte das nichts aus.

A$AP freute sich wieder und erzählte, dass es toll sei, dass hier so viele Weiße seien. Überhaupt sei es toll, wenn Rasse, Religion und so keine Rolle spielen würden. Er bat einige junge Mädchen auf die Bühne. Es waren die selben, die er vier Songs vorher gebeten hatte, alle mal kollektiv ihre Brüste zu entblößen. Anja und die anderen Frauen um mich herum konnten sich jedenfalls erstaunlich gut zurückhalten.

A$AP mit Fans

Zu den Mädchen gesellten sich zwei, drei Jungs auf die Bühne. Das dauerte natürlich. Etwa einen weiteren Song lang, den der DJ vom Band spielte. Währenddessen passte A$AP auf, dass alle eine Reihe bildeten. Daher konnte er sich nicht auch noch ums Rappen kümmern. Er spielte den dritten Überhit seiner noch jungen Karriere: „F**kin‘ Problems“. Leider singt er das Lied auf der Platte nicht allein. Doch die anderen beteiligten Rapper hatten keine Zeit, mit nach Berlin zu kommen – also war der Song nach einer Strophe wieder vorbei. Dann mussten alle wieder umständlich von der Bühne gehen und das Konzert war fast zu Ende.

A$AP bedankte sich artig beim Publikum und freute sich dabei sicher auch über die drei Millionen Dollar Vorschuss von Sony Music. Er sagte, das Konzert sei jetzt vorbei und der DJ legte noch einmal einen Song auf. Doch irgendetwas stimmte nicht: das Saallicht ging nicht an. Doch A$AP war verschwunden. Und plötzlich stand er neben mir. Und nach und nach neben jedem anderem Konzertbesucher. Jeder, der wollte, konnte mit ihm tanzen, ein Foto machen oder ihm die Hand schütteln. Vier Minuten lang. Das Konzert war etwa um 23:58 Uhr zu Ende. Alle jubelten selig.

Auf der Heimfahrt hörte ich in der U-Bahn jemanden das Wort „Verarschung“ sagen.

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