Interlude: Prinz Pi

Es ist eigentlich eine Schande, dass ich schon so lange nichts mehr zu ihm geschrieben habe, denn Anlässe hat es genug gegeben in den vergangenen Wochen. Das hat von meiner Seite aus vor allem etwas mit Vetternwirtschaft zu tun, die ich hier nicht überstrapazieren möchte. Dennoch besteht kein Zweifel: Eines der wichtigsten Alben für mich in diesem Jahr ist „Kompass ohne Norden“ von Prinz Pi.

Ich komme gerade von einem TV-Dreh mit ihm in Berlins Hipsterviertel Kreuzberg zurück und kann Euch schon mal exklusiv diesen Schnappschuss schenken:

Prinz Pi am Kanal

Prinz Pi ist für mich ein wichtiger Freund geworden, nachdem ich ihn vor einigen Jahren mal für den Tagesspiegel getroffen habe. Wir teilen viele Interessen und – das muss bei aller Bescheidenheit mal erlaubt sein – auch den Intellekt. Das betone ich vor allem deshalb, weil ich mich spätestens seit meinem 25. Lebensjahr von Deutschlands Rapelite zunehmend geistig unterfordert fühle. Ich habe in den Jahren danach einfach häufig genug erleben müssen, wie alte Helden bei mir abgeschmiert sind, weil ihre Aussagen immer platter und unreflektierter wurden. Das liegt oft genug daran, dass sich manch einer im Alter von 20 Jahren doch dazu entschließt, nach dem Abi lieber Musik zu machen und die funky Themen Ausbildung und/ oder Uni sein zu lassen – was man ihnen ein paar Jahre später leider auch anmerkt. Statt geistig anregende Dialoge führte ich irgendwann mit den Herren und wenigen Damen Rappern immer nur noch platte Interviews, die meistens in so Konsens-Aussagen wie „Nazis sind doof“ und „Bullen sind gemein“ und „Legalize it“ endeten. Nicht so Herr Pi.

Doch ich will Euch nicht mit meiner subjektiven Wahrnehmung von Diskurs-Potential nerven. Vielmehr möchte ich noch einmal mit Nachdruck den Künstler empfehlen, der es aus eigener Kraft mit seinem inzwischen auf drei Mann angewachsenes Indie-Label (sic!) geschafft hat, von Null auf Platz 1 in die deutschen Charts einzusteigen und sich dann immerhin in der zweiten Woche auf Platz 9 halten konnte. Inwieweit Gold irgendwann realistisch sein wird, wage ich nicht zu prognostizieren, doch die Medienpräsenz, zu der ich hiermit gerne weiter beitragen möchte, stimmt mich hoffnungsvoll.

Aber ganz egal wie viele Tonträger er verkauft, mit seinem Album hat er der deutschen Musiklandschaft einen Meilenstein geschenkt. Ein bisschen Beatles, ein wenig Jay-Z und vielleicht auch ein paar Dr. Dre-Einflüsse. Lyrisch ist er wie gesagt auf einem sehr hohen Niveau – gleichzeitig verpackt er seine Songs so wie eine Simpsons-Folge: Die Kids können die Lieder leicht verstehen, aber wer älter ist, findet auch noch weitere Reflektionsebenen. Mein Lieblingssong ist übrigens „Glück“, den ich im Gegensatz zum Künstler selbst gar nicht melancholisch finde. Dort sehe ich meine Lebensswirklichkeit in vielen Aspekten widergespiegelt, weil Prinz Pi einfach perfekt ausdrückt, worauf es im Leben überhaupt ankommt:

Übrigens: Alles Gute zum Geburtstag, Michael!

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