Interlude: Bruno Mars

So, Freunde, da bin ich wieder. Michael hat ja freundlicherweise für ein paar Tage die Stellung gehalten. Ein großes Dankeschön dafür nach Bonn! Nachdem ich mich von meinen Kurztrip in die USA wieder einigermaßen akklimatisiert habe, gelobe ich Besserung und häufigere Blogposts. Der ganz große Text verschiebt sich noch um eine Woche, aber vorab habe ich hier schon mal einen kurzen Zwischenbericht aus Texas.

Warum ausgerechnet Bruno Mars? Well, das war mein steter Reisebegleiter in den Tagen abroad. Auch wenn ich damit endgültig aus dem Tyler the Creator-Fanclub rausfliege, muss ich sagen, dass ich „Locked Out Of Heaven“ in den letzten Tagen lieb gewonnen habe.

Tja, der Song hat mich einfach in den paar Tagen in den USA schwer verfolgt. Interessant ist ja, dass ich anfangs mal wieder die Lyrics falsch gehört habe. Ich meinte ständig die Worte „Sex text“ zu verstehen und wunderte mich über diese moderne Form von Schäferstündchen in den Charts.

Aber der Reihe nach… ich kam also Nachts um 1 Uhr nach einer ewig langen Flug-Odyssee durch die halben USA endlich an meiner Destination an. Als das ganze Immigration-Prozedere überstanden war, beschloss ich, meinen Mietwagen nicht mehr abzuholen, damit ich nicht am nächsten Morgen auf dem Titelblatt des „Houston Chronicle“ unter der Überschrift „German tourist shot while entering the wrong ‚hood“ landete. Also noch ein Viertelstündchen am Flughafen George Bush (sic!) auf ein Cab gewartet, bis ein sehr alter und müder afroamerikanischer Mann vorrollte, der dem Kassierer Earl aus der lustigen Comedy-Serie „2 Broke Girls“ nicht unähnlich sah.

Der Mann wusste zwar anfangs nicht so recht, wo ich hin wollte (es gibt wohl 12 bis 14 gleichnamige Hotels in Houston), schipperte mich aber doch gemächlich eine Dreiviertelstunde lang zum Marriott am westlichen Rande der Stadt. Es kann sein, dass ich halluzinierte, aber der Highway war so leer wie in einem David Lynch-Film – bis auf einen tiefergelegten S-Klasse-Mercedes aus den 90er Jahren, an dessen Radkappen sich etwas befand, dass mich sehr an diese eine Szene aus Ben Hur erinnerte… Jedenfalls summte dort der Bruno erstmals seine Weise leise durch die Nacht, bis ich irgendwann ankam und versuchte ins Bett zu hüpfen.

Nach vier Stunden war ich wieder hellwach, zog den Vorhang auf und blickte in dieses Panorama hier:
Houston Panorama

Ich trödelte noch etwas vor mich hin und zappte durch die Nachrichten, die alle die Jagd auf die Attentäter von Boston zum Thema hatten, was wie eine überlange Folge von „Homeland“ wirkte. Irgendwann wurde es heller und ich ließ mich zur AVIS-Vermietung am Flughafen fahren und versuchte dabei, mir den Weg gut zu merken. Alles lief gut, ich sollte mein Auto bekommen. Leider keines mit texanischem Kennzeichen!

Nummernschild

Das fand ich zunächst enttäuschend, sollte sich später aber als hilfreich im lokalen Straßenverkehr erweisen (wenig Huperei beim plötzlichen Spurwechsel, um doch noch eine Ausfahrt zu bekommen – und außerdem konnte ich die Karre auf allen Megaparkplätzen immer wieder leicht identifizieren!

So brauste ich also sonnenbebrillt durch den texanischen Vormittag, genoss das gute Wetter und klapperte eine Mall nach der anderen ab.

Auto fahren

Irgendwann wurde ich so mutig, mich zurückzulehnen, den Verkehr Verkehr sein zu lassen und das Radio anzustellen. Leider gab es keine Apple-Dockingstation für meine vorgefertigten Playlisten im Auto, sondern nur einen CD-Player, auf den ich aber nicht vorbereitet war. Also Radio: Werbung für Schönheits-Chirurgie („Get three treatment-packages and save up to 60 percent on the cheapest of those!“), Classic-Rock mit den Dire Straits, Led Zeppelin und Cream, dann absurder Christenrock, dann wieder Werbung, dann Flo Rida und irgendwann war da halt wieder dieser „Sex text“-Song, der mich doch sehr an den guten alten Sting vor seiner Solokarriere erinnerte. Doch er stimmte mich ungemein fröhlich. Beim dritten Mal fing ich sogar an, mitzusingen.

Tja, und so ging das nun weiter: Ich ließ kein Geld bei der lokalen Sneaker-Industrie, dafür einiges an Kohle für Sportklamotten mit texanischen Beschriftungen: Auf diesem Houston-Astros-Shirt sieht man leider nicht den von mir als genial empfundenen Schriftzug „H-Town“, also denkt ihn Euch gerne dazu:

Hotelschacht

Aufgenommen übrigens aus der 10. Etage meines herrlich-sterilen Hotelbunkers – das nur mal eben so als Randbemerkung.

Dann kam der Abend mit der Preisverleihung, der einigermaßen anstrengend wurde, weil man fünf Stunden lang konzentriert der Verlesung der Namen der Gewinner horchen musste, während nebenbei Fleischabfälle als Abendessen serviert wurden. Dafür ging es am nächsten Tag als Rahmenprogramm zunächst zum Johnson-Kontrollcenter der NASA – was ich leider auch um einiges langweiliger empfand, als beispielsweise Cape Canaveral in Florida.

Danach wurden wir aber noch in zwei Reisebussen ans Meer gefahren, genauer gesagt in eine großzügige Bucht am Golf von Mexiko. Dort durften wir im ältesten Yacht-Club von Texas an einer kleinen Spaßregatta teilnehmen. Ich hatte das Glück, dass ich auf dem Boot von Zaubermeister Gandalf landete, weshalb wir wohl trotz der starken Konkurrenz immerhin PLatz 3 ersegelten, was für diese Geschichte aber eigentlich total egal ist.

Segeln

Jedenfalls lernte ich, dass Texaner sehr nette und wohlmeinende Menschen sind, die nur dann keinen Spaß verstehen, wenn man Gags über Texaner raushaut. Aber das war irgendwie auch schon egal, denn ich hatte ja schließlich einen eigenen Ohrwurm für diese Reise – und nur das zählt!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Nähe zu Sting war mir bislang gar nicht aufgefallen – ist aber was dran. Könnte mir vorstellen, dass „So Lonely“ sich gut daran anschließt und werde das die Tage mal testen.

  2. Pingback: Interlude: Jr Blender | 100 Songs

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