Interlude: Faschingsrapper

Aschermittwoch ist längst durch und trotzdem häufen sich die thematischen Videos.
Ganz frisch und vorne mit dabei: Das Bo. Man war ja bereits versucht gewesen, Mirko Bogojević unter „Die besten Tage sind vorbei“ einzusortieren. Dabei war seine Karriere so unterhaltsam zusammen mit seinem Buddy Tobi gestartet und dann unter dem Label 5 Sterne Deluxe konsequent irrational weitergedacht worden. Bis er im Jahr 2000 mit seiner 2 Live Crew-AdaptionTürlich, türlich (sicher Dicker)“ seinen Party-Überhit ablieferte. Ich erinnere mich noch gut an die Premiere beim Hamburger „Flash Festival“, als zehntausende Rap-Fans plötzlich zu den – für Deutschrap-Verhältnisse – ungewöhnlichen Klängen und flachen Inhalten das Heiligengeistfeld wie beim Pauli-Heimspiel zum Wackeln brachten. Nur leider-leider kam danach nichts mehr, das mich ernsthaft begeistern konnte und der Song drohte auf einmal zum Monument eines One-Hit-Wonders zu werden. Wobei das ausdrücklich auf die Chart-Kompabilität des Solokünstlers Das Bo und nicht auf das Gesamtschaffen bezieht. Jedenfalls ist er jetzt wieder da und ich vermute, dass uns dieser Song in diesem Jahr ähnlich intensiv begleiten wird wie das Heino-Album. Die Zutaten: Etwas Deichkind-Sound, etwas Atzen-Ästhetik, etwas Psy-Attitüde, ein paar Alexander Marcus-Einfälle, etwas Futurama und ein paar gut geflexte Reime – fertig ist der Partyhit!


Dazu passt übrigens das Gerücht, dass sich die Fünf Sterne im Sommer noch mal zusammenfinden wollen.

Optisch gut aufbereitet auch das neue Video von Samy Sorge alias Samy Deluxe alias Herr Sorge. Mit seinem Hang zur Theatralik inszeniert er sein Alter Ego ja gerade als Cyber-Clochard. Seine Reime waren auch schon mal interessanter, aber auf jeden Fall lohnt sich ein Klick auf seine Clip-Inszenierung zusammen mit Cassandra Steen – Deutschlands größter Soulsängerin (in Zentimetern).

Hier geht’s zu Samy…

In Los Angeles kündigt Raps-Wunderkind Tyler The Ceator von der Odd Future-Gang mit einem neuen Video sein nächstes Album an. „Wolf“ soll am 2. April erscheinen und es wird sich zeigen, ob Tyler Okonma sein Potential als Schock-Rapper weiter ausbauen kann. Sein Video ist diesmal einigermaßen unblutig und unterhaltsam geworden. Auf jeden Fall finden Hipster-Nerds wieder genügend Kaufanreize für die nächste Hypebeast-Suche, denn wenn ich das richtig sehe, gibt sich sogar der britische Supreme-Gründer James Jebbia einen kurzen Cameo-Auftritt (falls das irgendeinen unserer geneigten Leser überhaupt interessiert).

Auch hier: Fasching unlimited!

So, und hier noch ein junger Saarländer, der es sich zur Masche gemacht hat, seinen roten Lacoste-Pollunder und seine Brille als äquivalente Verkleidung zu Sidos oder Cros Masken-Outfit zu verkaufen. Die Rede ist von DCVDNS! Dessen Web-Inszenierung ist extrem unterhaltsam und im Gegensatz zu Cro, um dessen Gesicht sich ja inzwischen Legenden ranken, kennt man bei DCVDNS nicht mal mit Sicherheit seinen bürgerlichen Namen: Benjamin Ballack wird kolportiert, aber das könnte auch eine geschickte Täuschung sein. Wie dem auch sei, ich möchte Euch St. Ingberts einzigen Gangster-Rapper dringend weiterempfehlen. Da sein neues Video „Der Wolf im -Schafspelz“ nach fünf Tagen plötzlich als „privat“ bei YouTube gesperrt ist, empfehle ich einfach den Besuch seines Kanals mit vielen anderen spaßigen Filmchen:


Ach ja, ach ja – zu allerletzt noch dieses Fundstück zum Thema: Was sich mit Geld alles kaufen lässt. Offenbar kann jeder Honk ein Feature mit Snoop Dogg erwerben. Oder wie kommt diese seltsame Kollaboration ansonsten zustande? Richtig strange wird es bei Minute 2:25…

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